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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 201)

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Die slavische Hausindustrie. 
Vortrag, gehalten am 21. December 188i im k. k. Oesterr. Museum für Kunst u. Industrie 
von Prof. Dr F. Kränjavi. 
(Schluss) 
Die Farben der Teppiche sind natürliche und chemische und zwar 
sind die der neueren Teppiche in Croatien fast durchgängig letzter Art, 
so dass die Echtfärberei, wie sie jetzt noch von den älteren Frauen geübt 
wird, als im raschen Verfall befindlich bezeichnet werden muss. 
Die Färberei mit natürlichen Farben ist eine sehr_ einfache. Für 
Schwarz ist hauptsächlich Erlenholzrinde als Färbemittel beliebt, aber 
es kommt auch Schleifsteinwasser, Eisenvitriol und Galläpfelabguss zur 
Anwendung. Alte Frauen waschen die schwarz gefärbte Wolle zum 
Schluss mit Heublumenabguss, um der Farbe Dauerhaftigkeit zu verleihen. 
Gelb wird mittels Färbeginster (zanovet) hergestellt, nachdem eine Alaun- 
beizung vorgenommen wurde. Dunkelgelb wird entweder durch eine Lasur 
mit Krapp oder durch Färbung mit Geißklee, Rinde vom wilden Apfel- 
baum, Blättern vom Pfirsichbaum der gelbfleischige Pfirsiche, vom Maul- 
beerbaum der weiße Maulbeeren trägt, hergestellt. Für Ülau kommt 
angeblich lndigo zur Verwendung, nach der Art der Auflösung dürfte es 
Blauholzextract sein. Roth wird nur mit Krapp erzeugt. Die Wolle wird 
mit Alaun gebeizt, der Krapp in Molke gekocht, manchmal kommt auch 
ein Zusatz von gegohrenen Pflaumen hinzu. Zu Grün wird ein Abguss 
von der Färbedistel auf blaugefärbte Wolle genommen. 
S0 einfach das Verfahren ist, sind die Farben ungemein dauerhaft, 
tief, leuchtend und selbst wenn sie verblassen, harmonisch. 
Von ganz alten Teppichen hat sich leider sehr wenig erhalten, da 
an vielen Orten die auch im Orient geübte Sitte Eingang gefunden hat, 
den Todten schöne Teppiche mit in's Grab zu geben. 
Die Stickerei ist nicht minder beliebt bei Croaten wie bei Serben 
und wird von Weibern und Mädchen mit. sehr großer Geschicklichkeit 
ausgeübt, ja schon Kinder kommen, häufig so gut geübt in die Schule, 
dass sie manchmal die Lehrerinnen in Verlegenheit setzen. 
Das Mädchen trägt buntgestickte Gewänder an Werktagen, weiß- 
und" goldgestickte an Feiertagen. Beim Feiertagsgewand ist es also nicht 
die Stickerei, sondern die Feinheit des Gewebes, welche es auszeichnen, 
und es kommt vor, dass sich die Feinheit des mousselinartigen Stoffes 
nach der Größe des Feiertages richtet, so dass zu Weihnachten die 
dünnsten Gewänder an die Reihe kommen, als einzigen Schutz die zum 
Glück aus dichrerem Stoff gewebte Schürze. Der Oberkörper ist durch 
ein mit Ledermosaik reichgeschmücktes ärmelloses Pelzwams geschützt. 
Man sieht kein Weib, kein Mädchen müßig, gehend spinnen sie, 
stehend sticken sie, sie sind die ersten an der Arbeit und der arbeit- 
samere Theil des Volkes.
	        

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