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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 201)

tigkeit erst nur den Charakter einer Probe haben sollte, bestimmend 
gewirkt zu haben. 
Allerdings unterließ man auch nichts, was eine gelungene Ausführung 
verbürgen konnte; die vom Auftraggeber als Normativ hingestellten alten 
Glasfenster in Regensburg und Freiburg wurden nicht nur von dem an 
dieser Arbeit meistbeschäftigten erfahrenen Glasmaler speciell auf ihre 
Technik, auf Mittel und Wirkung studirt, sondern er arbeitete auch an 
O11 und Stelle Musterfelder so lange durch, bis sie als richtig erkannt 
wurden. 
Die Studien, welche in diesen und anderen Fällen Artisten der An- 
stalt, Glasmaler und Zeichner, der Architekt mit dem Director auf wieder- 
holten Reisen gesammelt, die reichen Anschauungen, die sie mitgebracht, 
trugen in eminenter Weise dazu bei, einen frischen künstlerischen Zug 
im ganzen Schaffen zu erhalten, das Streben nach Vorwärts immer auf's 
Neue durch die Vergleiche mit den besten Leistungen der alten und neuen 
Glasmalerei zu wecken. 
In diesem Sinne ist die Gründung der Wiener Filiale von nicht zu 
unterschätzender Bedeutung; am Herzen der großen Kunsthewegung, an 
der Fundgrube kostbarster Schätze alter Kunstindustrien, in den Mappen, 
die mit Handzeichnungen und Stichen der ersten Meister der hohen und 
Kleinkünste gefüllt, unvergänglicher Lebenserweckung harren, finden streb- 
same Mitglieder des Institutes Gelegenheit sich auszubilden und empfangen 
hundertfältige Impulse zu neuen überraschenden Gebilden. Nicht nur äußer- 
lich, sondern noch mehr durch tiefe innere Beziehungen wurde die Tiroler 
Glasmalerei durch ihre Niederlassung in Wien eine Großfirma öster- 
reichischer Kuns tindustrie. 
In der glasmalerischen Ausschmückung des Profanbaues, der behäbigen 
bürgerlichen Wohnräume, der luxuriösen Paläste, der geselligem Verkehr 
gewidmeten Salons übernahm sie eine führende Rolle; sie ersann geeignete 
Motive für die mannigfachen Zwecke solcher Kunstverglasungen, ehe diese 
selbst noch" von dem kunstliebenden Volke gefordert waren; sie sammelte 
in ihren Studienmappen und Albums die goldenen Körner, deren das 
ästhetisch veredelte Leben bedarf, wenn es Alles in seinem Heim ergreift 
und durchdringt, auch die Fenster. 
Diesen verdienstvollen Leistungen der Tiroler Glasmalerei hat wohl 
Keiner beredteren Ausdruck verliehen, als der gefeierte Kunstschriftsteller, 
der Anwalt des guten Geschmackes - Jakob v. Falke -- in seiner "Kunst 
im Hauses. Vor Allem aber hütete sie sich, des Guten zu viel zu thun, 
das Wesen der Kunstverglasungen in die Bemalung der Gläser zu 
setzen; das Fenster soll seiner Bestimmung gemäß erst Licht geben, dann 
erst geschmückt werden. Wie Porträts, Landschaften oder andere Staffelei- 
bilder die ernst gestimmte Tapetenwand belebend unterbrechen, so legen 
sich in die warm getonten Bleiverglasungen, deren Netzwerk geometrische 
Construction in endlosem Wechsel variirt, Cabinetsscheiben allegorischen, 
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