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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 201)

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heraldischen, historischen, gemtithlichen Charakters, freudige, farbige Licht- 
punkte für das überall, auch im Fenster Genuss suchende Auge, das auch 
des blumenreichen oder arabeskengeschrnückten Rahmens nicht entbehrt, 
der diese heiteren Glasfelder abschließt. Durch sie empfängt der Innenraum 
das Licht gemildert, sonniger durchwärmt. 
Von den 452 Aufträgen, welche das Wiener Atelier für Profanbauten 
in anderthalb Jahren ausgeführt, ist der weitaus größte Theil in dieser ein- 
fachen, zweckentsprechendsten Weise durchgeführt; solche Fenster machen 
Freude und Freunde, wie heitere, seelenklare Menschen. 
Den Inhalt der als Einlagen gebotenen Cabinetsstücke aber aufzu- 
zählen, müssen wir, um nicht zu ermüden, verzichten; das häusliche 
Leben, die Spiele, die Gewerbe, Wissenschaft und Kunst, Geschichte und 
Allegorie, Wappenschildereien, prächtige Gestalten alter Zeit, die Freuden 
der Jagd, Bilder aus dem Naturleben und vieles Andere wurde glasmalerisch 
behandelt, en grisaille, in Farbe, in einem transluciden Glasmosaik. 
Von den Mitgliedern der Anstalt haben sich Herr Alfons Siber und 
Rupert Schwarzenberger durch zahlreiche schöne Erfindungen in diesem 
Fache am meisten ausgezeichnet; für die Gesammtpilege der Profanglas- 
malerei gebührt dem Vorstande der Wiener Filiale, Herrn Carl Gold, das 
größte Verdienst. Fassen wir hier in trockenen Zahlen die Arbeitsgröße 
der beiden Ateliers in den abgelaufenen fünf Jahren zusammen, so ergeben 
sich an kirchlichen Objecten: 
Figuralfenster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 326 
Teppichfenster . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 557 
Kunstverglasungen des Profanbaues (wovon 452 auf Wien). 616 
in Summa... 14.99 
geschlossene Fenster, außer welchen noch gegen 4oo kleinere Cabinets- 
stücke gefertigt wurden. 
Die Ideen und Formenschätze anderer decorativer Künste mehrten 
sich durch sorgfältigste Pflege der Bibliothek, welche durch alljährliche 
Dotirung die Bereicherung mit den besten und wichtigsten Publicationen 
dieses Faches erfuhr. So wurden in diesen fünf Jahren außer Ankäufen 
auf Studienreisen und den besonders bewilligten beiden Dictionnaires von 
Viollet-le-Duc (Architektur und Mobilar) 2000 ß. ö. W. für das lnnsbrucker 
Atelier aufgewendet, während die Filiale Wien circa mit der halben Do- 
tation bedacht ist. 
Soweit die eigenen Mittel zur Erwerbung der ganz besonders kost- 
spieligen Werke nicht reichten, genoss man die Liberalität öffentlicher 
Bibliotheken, worunter die des Oesterreichischen Museums am eifrigsten 
hospitirt wurde. Der nimmer zu ermüdenden Vorstehung dieser Bibliothek 
sei hiermit der wärmste Dank ausgesprochen. 
Bedürfte es eines äußeren Beweises für das edle Streben und Studium 
der jungen Leute, welche die Tiroler Glasmalerei zu besitzen sich freuen 
darf, so läge er in der eifrigen Inanspruchnahme der Bibliothek, deren
	        

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