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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 201)

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instructivste und anregendste Vorlagenwerke von einer Hand zur andern 
gehen. 
Noch mehr: Einzelne opfern so manchen Gulden, sich selbst eine 
kleine Handhibliothek anzulegen, was die iheutigen wohlfeilen und doch 
guten Pulilicationen des kunstgewerblichen Gebietes so sehr erleichtern. 
'Derselbe edle Wetteifer macht sich auch im Oopiren mustergiltiger 
alter Glasmalereien geltend, somit die lehrreichste Schule für alle Finessen 
der Technik; Jeder bemüht sich, das Original {so nahe rund getreu als 
möglich zu erreichen, aber auch das Gelernte an Neuem anzuwenden. 
"Dass solche Studien keinen augenblicklichen oder greifbaren Nutzen haben, 
dass sie sogar sehr kostspielig für die Gesellschaft sind, verhehlt sie sich 
nicht; indem sie aber stets in der Gegenwart säet, um in der Zukunft zu 
ernten, hält sie solche Ausgaben nicht nur productiv für sich, sondern auch 
tlir die Leute, welche im Fortschritte derLeistungen ihre materielle Stellung 
stetig zu bessern dadurch Gelegenheit finden. 
Daher lässt sich die Direction in der Aufnahme neuer "Kräfte vor Allem 
durch die größere oder geringere'Wahrscheinlichkeit auf eine stetige Ent- 
wicklung und Bildungsfähigkeit des Eleven zu schwierigeren und feineren 
Arbeiten bestimmen und weist entschieden Aspiranten zurück, welche von 
vorneherein keine derartige Hoffnung geben. 
Je höher tlie Anforderungen an das Institut gestellt werden und wie 
es dieselben auch nur durch artistisch gediegene Leistungen erfüllen kann, 
mit deren innerem Werth es den äußeren bewahrt, desto mehr muss es 
auch von allen Einzelnen verlangen, die vereint jene Werke schalfen. 
Eine gründliche, tüchtige Vorbildung im Zeichnungsfach ist daher un- 
erlässlich, noch lbesser, wenn sich auch schon eine gewisse Pinselfertigkeit 
in einer oder der anderen Maltechnik damit verbindet. Diese zu erwerben 
wird aber auch den jungen Leuten stets Gelegenheit geboten, indem bei- 
spielsweise Frequentanten der Kunstgewerbeschule, welche sich nach deren 
Absolvirung der "Glasmalerei widmen wollen, die Ferien über als Con- 
tourer beschäftigt und entlohnt werden. So war es in den letzten Jahren 
manchemlUnbemittelten möglich, die Schule wenigstens einen halben Tag 
regelmäßig zu besuchen und den anderen 'halben für seinen Unterhalt in 
der Glasmalerei zu arbeiten. 
"Dieses Verhalten der Herren der Tiroler Glasmalerei zu solch' mittel- 
losen Eleven verdient als-ihr größtes 'Opfer ganzibesonderer Anerkennung, 
denn ohne Umschreibung darf man behaupten, dass drei solcher Hospi-- 
Tanten nicht nur nicht die ll-lälfte von dem machen, abgesehen von dem 
Wie, was ein geübter Contourer, sondern durch ihre Unsicherheit und Ver. 
worrenheit oft noch mehr Schaden anrichten, als sie unverdientes Salair 
beziehenJEs gibtaber immer noch nExpertenß, welche solche Fachschulung 
für die ausgiebigste Quelle desWohlstandes der Arbeitgeber ansehen, wovon 
diese deider rnoch immer nichts verspüren. Ein schlechter, unzuverlässiger 
Arbeiter kann nicht schlecht genug honorirt werden, ein tüchtiger, exacter 
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