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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 206)

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Es erklärt sich dies sowohl aus den Eigenschaften der rohen Masse 
selbst, als auch aus ihrem Verhalten in dem hoheu Feuer, dem sie dann 
ausgesetzt wird. 
S0 kann das Aufdrehen auf der Drehscheibe, eine Operation, womit 
der Töpfer seinen Gefäßen aus freier Hand die gewünschte Gestalt und 
Vollendung gibt, hier, beim Porzellan, wegen der weit geringeren Plasti- 
cität der Masse, nur dazu dienen, den Stücken die ungefähren Umrisse 
zu geben, wogegen die genaue Formung einer zweiten Operation, dem 
Aus- oder Ueberformen mit Benutzung von Gypsformen vorbehalten 
bleibt. Der Gyps ist hier ein kostbares und unersetzliches Material. Die 
Formen, leicht herzustellen und billig, saugen vermöge ihrer Porosität 
die Feuchtigkeit der Masse an sich und lassen die geformten Stücke rasch 
und sicher abheben. 
Ganz bedeutende Berücksichtigung verlangen beim Formen die Ver- 
hältnisse der Schwindung, der die Stücke sowohl im Trocknen, als 
weit mehr noch beim Brande unterliegen und welche bei der Porzellan- 
masse 10-17 Procent beträgt. Um soviel sind demnach die Arbeitsformen 
größer anzulegen, wobei noch ein erfahrungsgernäßer Unterschied der 
Schwindung in verticaler und horizontaler Richtung zu berücksichtigen 
ist. Da außerdem die Porzellanmasse im Brande bis zu einem gewissen 
Grade durch und durch erweicht, so wird es nöthig, dass diejenigen 
Stellen der Gefäße, die die meiste Tragkraft haben sollen, auch dicker 
in der Masse hergestellt werden, größere Scherbenstärke besitzen, während 
man die mehr getragenen Theile möglichst dünn hält. 
Es gehört tüchtige Uebung dazu, beim Ausforruen eines größeren 
Gefäßes Außen- und Innenseite so zu gestalten, dass diesem Verhältnisse 
vollkommen Rechnung getragen ist. Zudem bringt die enorme Schwin- 
dung der Porzellanmasse noch mancherlei andere Uebelstände mit sich. 
Ist die Masse eines ausgeformten Gefäßes nicht überall von gleicher Dichte, 
sei es durch verschiedenen Feuchtigkeitsgehalt oder durch ungleichen 
Druck bei der Arbeit, so schwindet sie verschieden und gibt dies Ver- 
anlassung zum Reißen der Stücke oder doch zum sogenannten Wund. 
Solche dichten Stellen treten am gebrannten Geschirre als Wülste hervor, 
die ein Verzerren der Formen, ein Verziehen oft bis zum Unbrauchbar- 
werden der Stücke verursachen. 
Als Behelfe beim Ausformen dienen die Schablonen (Kaliber), 
eine Art Ziehklingen, worin der Umriss der äußeren oder inneren Wan- 
dung des Gefäßes genau eingeschnitten ist und die somit den Zweck 
haben, jene Umrisslinien in ihrer vollen Reinheit zu erzielen. Complicirte 
Gefäße werden aus mehreren Stücken geformt, die dann mit halbHüssiger 
Porzellanmasse aneinander geklebt (angeschlickert) werden. Ebenso werden 
Henkel, Füße und sonstige Ansätze gesondert geformt und dann an das 
Gefäß angefügt.
	        

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