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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 207)

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1878. Erstere sind eine vollständige französische Karte von 52 Bl. Coeur, 
Carreau, Piqne, TreEle, König, Dame, Bub und t bis 10. Die Zahlkarten 
haben mit Schiller allerdings nichts zu thun. Der erlindende Künstler Chri- 
stian Fa'ber du Faur ging darauf aus, auf die Blätter Bilder zu zeichnen, 
wo er die entsprechenden Farbenzeichen leicht unterbringen konnte, z. B. 
Herz-Neun ist ein Stück des Zuschauerraumes im Theater und das Coeur 
erscheint nun mehr minder geschickt und derb roth hervortretend in den 
Gesichtscontour der einzelnen Personen hineingemalt. Pique Sechs schmiegt 
sich leicht in das spitzbogige Portal und die Fenster einer gothischen 
Kirche. Die schwarze Weste eines ehrsamen Bürgers umspannt mühsam 
dessen stattlichen Schrnerbauch, und das gibt auch wieder leicht eine Pique; 
oder die Durchkreuzungen und Bekrönuxigen eines eisernen Gitters eignen 
sich unschwer zur Anbringung der Treff. Arn wenigsten gelungen, 
das heißt am geschmacklosesten und gezwungensten erscheinen wohl 
die Carreaubilder, aber auch im Ganzen genommen schlagen diese Farben- 
klexe mitten in zart gehaltenen Radirungen unserem heutigen Schönheits- 
sinn und Gesetzen in's Gesicht. Die Herausgeber vom Jahre 1807 waren 
selbstverständlich anderer Meinung. Dem Spiele ist in einer Art von 
Widmung an irgend eine vHolde Juliek ein erläuternder Text beigegeben, 
in welchem diese von uns verpönte Zeichnung als außerordentlich geist- 
reich in den überschwänglichsten Phrasen gepriesen wird. Der Schluss- 
passus lautet: vDie zwölf vortrefflich gelungenen Hauptbilder (König. 
Dame, Bub in jeder Farbe) Wallenstein, seine Gemahlin und Seni, Octavio 
Piccolomini, Fräulein Neubrunn und Deveroux, Thekla, Max Piccolotnini und 
Rosenberg, Gräfin Terzky, lllo und Neuman bedürfen so wenig als ihr 
passendes Costüm, die Wahl der Zusammenstellung unter gleicher Farbe 
und die sinnvolle Pantomime der einzelnen noch eines Commentars, und 
wem Schillefs Wallenstein etwa fremd wäre, dem sollten es auch diese 
Gestalten bleibenu. 
Die Tiroler Karten sind jüngsten Datums. Sie sind von 
E. von Wörndle im Jahre 1878 gezeichnet und vom Kronprinz Rudolf- 
Veteranenverein in Innsbruck herausgegeben (gedruckt bei C. Redlich, 
Hauptverlag bei J. Handl in Innsbruck). Dieses Spiel ist nach Art der 
alten deutschen sogenannten Landsknechtskarten angeordnet, die im All- 
gemeinen als die minderen volksthümlichen gegenüber den aristokratischen 
französischen bezeichnet werden. Es besteht aus 36 Blättern, und zwar 
König, Ober, Unter, Ass, lO bis 6, und seine Bilder haben den Zweck, 
die Geschichte und loyalen Beziehungen des tapferen Bergvolkes zu 
unserem Regentenhause zu illustriren. Alle Darstellungen auf den Herz- 
blättern beziehen sich} auf die Kämpfe des Jahres 1809; die Schellen 
zeigen das Verhältniss Tirols zu Habsburg seit der Abtretung des Landes 
an Herzog Rudolf IV. den Stifter durch Margarethe Maultasch; Laub 
schildert das Schützenwesen und seine Beziehung zur Vaterlandsver- 
theidigung; die Eicheln stellen das bäuerliche und bürgerliche Leben in
	        

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