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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 208)

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im eigentlichen Sinne des Wortes gewesen. Die moderne Zeit warf ihre 
ersten Strahlen in die christlich- germanische Zeit; die Baukunst schuf 
den sogenannten Uebergangsstyl, welcher sich später zur Gothik ent- 
wickelt hat. 
Es war ein großer fruchtbarer Gedanke, welcher Karl den Großen 
veranlasst hat, an der Ostgrenze des Abendlandes zum Schutze der euro- 
päischen Civilisation eine Ostmark zu gründen, welche berufen war, einen 
Damm gegen jene unruhigen Elemente zu bilden, welche der staatlichen 
Entwickelung des europäischen Völkerlebens hemmend in den Weg treten. 
In Osteuropa und Asien traten Bewegungen hervor, welche die Ruhe 
Europzfs störten. Die Hunnen, Avaren, Mongolen, Magyaren und Osmanen 
haben wiederholt das christliche Abendland angegriffen. Noch dauert 
diese Bewegung fort. In allen Zeiten hat die Ostmark und das Oester- 
reich, das sich aus der Ostmark entwickelt hat, seine Mission erfüllt. 
Bevor die Habsburger die Herrschaft der Ostmark übernommen haben, 
war es das Geschlecht der Babenberger, welche die Ostmark regierten, 
die heidnischen Ungarn besiegten, die, kaiser- und reichstreu, wie sie 
waren, an den Kreuzzügen rühmlichen Antheil nahmen und dessen letzter 
Sprosse im Kampfe gegen die von Osten vordringenden Mongolen und 
Ungarn auf dem Schlachtfelde bei Wiener-Neustadt am 15. Juli 124.6 in 
der Bllithe des Mannesalters ruhmvoll gefallen ist. Um die Bedeutung 
der Herrschaft der Babenberger hervorzuheben: brauche ich nur zu 
erinnern, dass sie die Stefanskirche gegründet, den Minnegesang, Dich- 
tung und Schule gefördert, das Städterecht gesichert und die Burg ge- 
gründet haben, in welcher die österreichischen Herrscher bis in die jüngste 
Zeit ihre Residenz aufgeschlagen haben. Die Stefanskirche und Burg 
sind die volksthümlichsten Repräsentanten des alten ehrwürdigen Oester- 
reich geblieben. Alle welthistorischen Ereignisse, die über das Schicksal des 
Reiches dahingingen, bewegten sich in dem Weichbilde der Burg und der 
Stefanskirche. Nach dem Tode des letzten Babenbergers, in der schwer- 
sten Zeit, wo die Gefahren, welche von Osten drohten, durch Verwicke- 
lungen im Innern gesteigert wurden, da war es für das deutsche Reich 
und für die Ostmark ein wahrhaft glückliches Ereigniss, dass der verwaiste 
Thron in die Hände der I-labsburger gelangte. Es war im Jahre 1273, 
als der Graf von Habsburg von den deutschen Churfürsten zum deutschen 
König gewählt wurde, und so viel auch in Geschichte und Sage über die 
Wahlvorgänge enthalten ist, so steht doch fest, dass die Vorzüge des 
habsburgischen Grafen, vor Allem seine persönliche Tapferkeit es waren, 
welche die Wahl der Churfürsten auf ihn lenkten, urn in jener Zeit der 
Willkür den Landfrieden wieder herstellen und den Adel und die strei- 
tenden Städte und Bischöfe in ihre Schranken zurückweisen zu können. 
Die Festigkeit, welche der mannhafte Habsburger bei Herstellung des Land- 
friedens zeigte, vermochte doch nicht den Widerstand des hochstrebenden 
Pi-emysliden Ottokar zu brechen, welcher wiederholt den Landfrieden
	        

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