MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 215)

Aufgabe des Architekten fasste er so auf, wie sie Vitruvius, der griechischen 
Tradition folgend, formulirt hatte: cuius iudicio probantur omnia quae a 
caeteris artibus perficiuntur opera. 
Der Architekt ist der geistige Führer für alle Künste, welche zum Bau 
gehörten. Hansen prüfte daher alle Entwürfe, corrigirte die Skizzen der 
Maler uncl der Bildhauer, welche für seine Bauten arbeiteten, und zeichnete 
alle Details für den Handwerker und Industriellen, wenn es nöthig war. 
Er hat wenig Respect für das Princip des Individualismus, schiebt mit 
echt dänischer Zähigkeit und Rücksichtslosigkeit Alles bei Seite, was 
seiner Kunstanschauung nicht entspricht. Die Einheit und Stylrichtung 
des Werkes gilt ihm Alles. Dass er bei dieser Lebensanschauung viele 
Gegner, dagegen wenig ergebene Freunde und Arbeitsgenossen hat, ist 
leicht begreiflich. Wie Schinkel, so hat auch Hansen sich in der Gothik ver- 
sucht, aber diese seine Versuche missglückten noch mehr als die Schinkels, 
der eine romantische, um nicht zu sagen christliche Ader in sich hatte. 
Mich haben seine gothischen Versuche oft interessirt, aber nie befriedigt, 
während ich von Bewunderung für seine monumentalen Bauten erfüllt 
bin, in welchen er seiner hellenischen Weltanschauung freien Lauf lässt. 
Der Säulenbau und die Innenräume des Parlamentshauses gehören zu 
dem künstlerisch und technisch Vollendetsten, was die moderne Kunst 
geschaffen hat. 
Unter den Wiener Künstlern, die seinem Geist am verwandtesten sind, 
standen und stehen Rahl, seine Schüler Eisenmenger und Griepenkerl 
und der Böhme Bildhauer Vincenz Pilz in vorderster Reihe; unter den 
Wiener Kunstindustriellen sind ihm Lobmeyer, Dubell, Detoma befreundet. 
Von der Polychromie im Sinne des Hellenismus macht er großen 
Gebrauch und verwendet sie mit hohem Verständniss. Die schon erwähnten 
Innenräume des Parlamentshauses geben vollgiltiges Zeugniss hiefür. Dass 
er in letzter Zeit oft von dem Golde als Decorationsmittel größern 
Gebrauch macht, als es gut und nöthig ist, möchten wir dem Wider- 
spruche gegen die Opposition zuschreiben, welche sein Project in dieser 
Richtung erfahren hat, und welche ihn bei Verwendung des Goldes über 
das rechte Maß hinausführte. 
Der moderne Realismus und der jetzt herrschende Münchener Ba- 
rockismus sind ihm ein Gräuel. Dass er daher für Meister, wie Rembrandt 
und Hals, Ostade und Teniers kein Verständniss besitzt, begreift sich, 
sie sind ihm die alten Rhyparographen. Kunstverein und Kunstausstellung, 
wie sie jetzt grassiren, sind ihm, und wohl rnit Recht, mehr Zeichen 
eines Verfalles und eines sinkenden Geschmackes, als Bildungsmittel der 
Kunst. Geld ist ihm Nebensache; die Kunst, durch die Kunst reich zu 
werden, hat er nicht verstanden und nicht geübt. Ein ganz untadlicher 
Charakter, ist er ein hingebender Lehrer, der seine Schüler nicht aus- 
nützt, sondern sie fördert, wie er nur kann. Dass ihn seine Schüler enthu- 
siastisch verehren, ist begreiflich. Wenn ihn die philosophische Facultät der
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.