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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 217)

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vollständige Echtheit aus. Die Farbe ist ein prachtvolles tiefes, ganz reines 
Grün, ohne irgend welchen Stich in irgend eine andere Farbe, namentlich 
nicht in Blau. Besonders scharf zeigt _'sich dies am Abend. Während man 
bekanntlich andere grüne Farben bei künstlichem Lichte von Blau oder 
Grünblau nicht deutlich unterscheiden kann, manches Auge sie sogar 
vollständig verwechselt, erscheint Kronberg's Grün auch bei Lampen- 
licht vollständig rein grün, ohne irgend welchen Stich in's Blaue. 
Es kann dies ein Wink für Maler sein, welche Werth darauf legen, dass 
ihre Gemälde auch Abends bei künstlicher Beleuchtung, z. B. in feineren 
mit Gemälden decorirten Gesellschafts- und Ballsälen in ihrer vollen 
Farbenpracht erscheinen. 
Zu dem Vorzuge der Schönheit der Farbe gesellt sich als weiterer, 
fast noch wichtigerer, der der vollkommenen Echtheit oder Licht- 
und Luftbesländigkeit. Während ein Theil der bisher angewandten grünen 
Farben schon durch matte Zirnmerbeleuchtung leider, ein anderer die sehr 
üble Eigenschaft des Nachdunkelns in Oel zeigt, so dass Landschafts- 
gemälde oft schon nach kurzer Zeit ganz unansehnlich oder dunkel werden, 
trotzt Kronberg's Grün selbst der Einwirkung des grellsten Sonnen- 
lichts und behält auch in Oel, ohne irgendwie nachzudunkeln, stets 
den ursprünglichen prachtvollen Farbenton. Bei wiederholt angestellten 
Versuchen wurde die auf Leinwand aufgetragene Oelfarbe im Hoch- 
sommer bei stets heiterem Wetter etwa einen Monat lang an der Südseite 
eines freiliegenden Hauses dem directen Sonnenlichte ausgesetzt, von dem 
man sicher eine bleichende Wirkung erwartete, aber ganz vergeblich. 
Der Vergleich der belichteten Farbe mit einer bis dahin im Dunkeln 
aufbewahrten Gegenprobe zeigte auf das Schlagendste, dass das Licht 
und die Atmosphärilien auf die Farbe auch nicht im Geringsten ein. 
wirken. Ebenso wenig beeinträchtigte monatelanges Verweilen in einer 
dumpfen und staubigen Oertlichkeit die Schönheit der Farbe; nach mecha- 
nischer Entfernung des Staubes trat sie in überraschender Reinheit und 
Pracht wieder hervor. 
Kronberg's Grün eignet sich, wie schon Director Hühner gleich 
anfangs richtig erkannte, wvebensowohl zum Gebrauch als Deckfarbe 
wie zur Lasuru und wird in Wasser und Oel, besonders aber in 
letzterem verwandt. Der Preis- und das kommt ja für die Praxis immer 
mit in Betracht -- war eben nach der Entdeckung der Farbe ziemlich 
hoch, ist aber in Folge stetiger Fortschritte in der Fabrication rasch 
bedeutend gesunken, so dass die Farbe jetzt schon mit den wohlfeileren 
grünen Farben concurrirt "j. 
') Die Tube in Oel wurde von Schönfeld ü Co. anfänglich mit l Mark, dann 75 
und 50 Pfg. im Detailvcrkauf geliefert und soll jetzt, wie wir hören, noch erheblich 
billiger werden. Die Wasserfarbe gelangt in den beliebten Pnrzellannapfchen zum Verkauf. 
Man findet die Farbe in allen größeren Maler-Utensilien-Handlungen vorrathig.
	        

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