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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 217)

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Es ist kein farbenprächtiges Bild, wie es sich bei anderen Anlässen in diesen der 
Kunst geweihten Raumen zeigt, das sich heute Ew. Majestät bieten wird. Die graphischen 
Künste gebieten nicht über so machtig erregende Mittel, wie sie anderen Zweigen der 
Kunst zu Gebote stehen. Einfach schwarz und weiß ist nur in der Regel, was sie 
schaHen; aber was sie schaden, vermag sich in zahllosen Abdrucken über das ganze ge- 
bildete Erdenrund zu verbreiten .und bildend und veredelnd auf die gesammte Mensch- 
heit zu wirken. So bescheiden die Mittel der graphischen Künste auch sind, vermogen 
sie nicht nur das, was die Kunst in allen ihren Richtungenshervorgebracht, zur allge- 
meinen Anschauung zu bringen und zum Gemeingut der Gebildeten zu machen, sondern 
sie unterstützen auch die Wissenschaft in immer gesteigertem Maße, indem sie oft Das- 
jenige, was Worte vergebens klar zu machen sich bestreben, mit wenigen Strichen zum 
Verstandnisse bringen. Die Pflege der graphischen Künste ist also von immenser Wich- 
tigkeit. Was nun in denselben in den letzten Decennien geleistet wurde, welch' riesige 
Fortschritte in neuester Zeit gemacht wurden, in möglichst vollständiger, vergleichender 
Weise in der heutigen Ausstellung zu zeigen, hat unsere Gesellschaft für vervielfältigende 
Kunst unternommen. Das Unternehmen fand allseits die freundlichste Aufnahme; Dank 
der wohlwollenden Unterstützung eines kunstsinnigen Prinzen des Allerhochsten Kaiser- 
hauses, Dank der gnädigen Fürsorge des k. k. Oberstkammereramtes, der hohen Staats- 
regierung, der auswärtigen Regierungen sowie der werkthatigen Mithilfe namhafter 
Künstler des ln- und Auslandes ist es gelungen, eine Sammlung von Kunstwerken zu 
vereinigen, die Ew. Majestät einen vollständigen Ueberblick der internationalen Leistungen 
auf dem Gebiete der graphischen Kunst liefern durfte. Möge das Werk veredelnd und 
belehrend wirkenli 
Wir werden uns noch eingehend mit dieser sehr lehrreichen und zweck- 
mäßig arrangirten Ausstellung beschäftigen, um welche sich in erster Linie 
der unermüdliche Vorstand der "Gesellschaft für vervielfältigende Künsten, 
Sectionschef R. v. Wiese r, verdient gemacht hat. Ein großer illustrirter 
Katalog der Ausstellung ist in Vorbereitung; er wird ein reiches Mate- 
riale zur Beurtheilung des Standes der graphischen Künste bringen. Wir 
bemerken nur kurz, dass Oesterreich sehr gut vertreten ist. Wenn man 
erwägt, wie unentwickelt vor zwanzig Jahren die graphischen Künste in der 
österreichischen Monarchie waren, so kann man, ohne Widerspruch 
zu erfahren, die Ansicht aussprechen, kein Land habe so große Fort- 
schritte in diesen Künsten gemacht, wie Oesterreich. Die Gesellschaft für 
vervielfältigende Künste, der kaiserliche Hof. die Staatsanstalten und Pro- 
fessor William Unger mit seinen Schülern Fr. Böttcher, C. R. v. Siegl, 
W. Wörnle und J. Groh sind auf dieser Ausstellung glänzend vertreten. 
Der neue Hoohaltar in der Stiüakirohe U. L. Fr. zu den 
8011011261111]. Wien wurde zur dankbaren Erinnerung an die Rettung 
Wiens aus der Türkennoth am 9. September geweiht. Der Altar ist das 
letzte Werk des Architekten Heinrich v. Ferstel, mit welchem er sich 
noch kurz vor seinem Tode beschäftigt hat. Die Aufrichtung des Werkes 
hat der Sohn FerstePs, Architekt Max v. Ferstel, durchgeführt. Ein 
prachtvoller Marmorbau, im Style der italienischen Renaissance, hat der 
Altar eine Höhe von 16,12 m und eine Breite von 8,79 m; er füllt die 
ganze Rückwand des Presbyteriums, welches durch Jos. Schönbrunner 
polychromirt wurde. Zu ganz besonderer Zierde gereicht dem Altar- 
baue das Mosaikbild, welches Joh. Neuhauser in Innsbruck nach den 
schönen Cartons von Prof. Mich. Rieser ausgeführt hat. An dem Altar 
haben sich eine Reihe von hervorragenden Künstlern, wie Jos. Gasser, 
Pokorny u. A. betheiligt, so dass er ein glänzendes Zeugniss der Leistungs- 
fähigkeit der Wiener Kunsttechnik ablegt. Das Hauptverdienst an diesem 
prächtigen Werke gebührt dem kunstsinnigen Abte des Schottenstiftes, 
Dr. Ernst Hauswirth und dem verstorbenen Heinrich v. Ferstel. - 
Der Schottenpriester P. C öle s'tin hat aus Anlass der Enthüllung eine sehr 
lehrreiche Denkschrift publicirt, die mit einer Abbildung des Altars ver- 
sehen hn Selbstverlage des Schottenstiftes in Wien erschienen ist.
	        

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