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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 219)

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lehren wollen; übrigens ist ja das Neue in Büchern nicht immer das Beste. Zum Zwecke 
der allgemeinen Orientirung in dem angedeuteten Sinne ist nun das Werk durchaus zu 
empfehlen und besonders die Abtheilung über die Plastik mit all' ihren Unterabthei- 
lungen kunstgewerblicher Art dürfte wohl Jedermann befriedigen. Der Tlieil über Archi- 
tektur leidet entschieden unter dem engen Rahmen, welcher dem Autor gestellt war, sn 
dass z. B. in der Stylgeschichte in Folge der allzu gedrangten Kürze manches an Klar- 
heit zu wünschen übrig lasst. (Beispielsweise die stiefmutterliche Abfertigung der ara- 
bischen Kunst pag. x06.) 38 Vnllbildcr und [20 in den Text gedruckte Abbildungen 
hellen diesem Uebelstande einigermaßen ab, wenngleich nicht verschwiegen bleiben darf, 
dass nicht gerade alle Bilder gut gewählt sind. Z. B. Fig. 45, 46, 47 passen wenig zur 
Unterstützung der Ansicht von dem v-verhangnissvollen und verderblichen Einflusse des 
Goldschmied- Handwerks: auf die deutsche Renaissance-Ornamentik. Die Darstellung 
des Kölner Domes ist wegen des wuchtigen Vierungsthurmes unrichtig und die halb per- 
spectivisch halb projicirend gehaltene Zeichnung des Kreuzgewolbes, Fig. t7 u. i8, nicht un- 
richtig, aber auch nicht geschickt gewählt. 
Ueberhaupt hatte die Schlussredaction sorgfältiger sein können; von Fig. 97-io6 
stimmen die Bilder nicht zu den Citaten im Texte und Druckfehler wie iener unter 
Fig. 65, wo Ghiberti statt Bernini steht, wären auch leicht zu vermeiden gewesen. - 
Doch sind diese und einige andere kleine Mängel bei einer zweiten Auflage leicht aus- 
zubessern; und wir zweifeln nicht an der baldigen Nothwendigkeit einer solchen, da ein 
Hauptvorzug des Buches neben seiner Lehrhaftigkeit darin besteht, dass es sehr angenehm 
lesbar geschrieben ist und diese Eigenschaft wird ihm rasch viele Freunde erwerben. 
Ch. 
Frantz, A.: Geschichte des Kupferstichs. Ein Versuch. Magdeburg, 
Creutz, 1883. 307 S. 8". 
Der Autor nennt seine Arbeit einen Versuch, bezieht sich auf einen Ausspruch 
Goethe's als eine Entschuldigung für sein Unternehmen und erklart sein Buch eigentlich 
nur als einen Commentar seiner eigenen Kupferstichsammlung. Mit alledem sollte der 
Referent eigentlich von vornherein entwaffnet werden, wenn er sich nicht sogleich zur Frage 
aufraffen wurde, warum dann das Ganze überhaupt publicirt wurde und wie es sich den 
stolzen Titel, Geschichte des Kupferstichs, anmaßen dürfe. Was uns am meisten inter- 
essirt, die geschichtliche Entwickelung der graphischen Kunst von ihrem Anbeginn, wird 
hier fast ganz und gar abgestoßen, und die Erklärung der einzelnen Techniken: Tusch- 
manier, Schabkunst, Aquatinta u. dgl. wird gar nicht oder in der obetliachlicbsten Weise 
versucht. Allerdings wurde das Buch nicht für Gelehrte und Kupferstichkenner geschrieben, 
aber gerade deswegen dürfte es nicht ungründlich verfasst sein. Es mag richtig sein, 
dass der Autor mit großer Liebe an (seine Arbeit ging, aber eben mit der unobjectiven 
Liebe eines Sammlers und man kann aus seiner Darstellung genau entnehmen, welchen 
Stechern seine Zuneigung gehört. Wenn uns schon die Schilderung der alten Periode 
unzureichend, die Charakteristik selbst eines Dürer ungenügend erscheint, so ist das 
Urtheil über einen Rembrandt, Leyden und auch Callot wohl das ungerechteste, das in 
neuerer Zeit über diese Meister geschrieben wurde, ganz ohne Einsicht dafür, wie sehr 
dieselben im Volksgeiste ihrer Heimat wurzeln, aus ihm ihre Erklarung und damit 
ihre Berechtigung schöpfen. Was soll man ferner von einer Geschichte des Kupferstichs 
sagen, in welcher einerseits die Maler Jordaens und Teniers eine zu weitgehende Be- 
handlung linden, dagegen z. B. von Eisen gesagt ist: war Maler aus Brüssel 172a bis 
1778, und die französischen lllustratoren p. 197 in folgender Weise abgefertigt werden : 
eine Menge unnütze Kupferstecher, die weiter nichts zu thun hatten, als allerlei Zeug 
von Vignetten und Illustrationen in Kupfer zu stechen. Die Malereien von Primaticcids 
Schule in Fontainebleau sollen zerstört, Edelinck's bekannter Stich nach dem Original- 
carton Linnard's zum Reiterkampf gemacht sein u.' s. w., u. s. w. Der Werth der 
Arbeit von Frantz besteht einzig in der guten Absicht übersichtlich zu sein und für die 
neuere und neueste Zeit mag dieselbe etwa erreicht sein bei Jemandem, der aus eigenem 
Wissen die vielen Detailfehler auszubessern vermag. Ch. 
a 
- Der neue Katalog der Museums-Bibliothek, ein stattlicher Band von 
fast Gnu Seiten, mit einem Vorworte zur Geschichte der Bibliothek und zwei sehr ein- 
gehend ausgearbeiteten Registern ist im Museum um den Preis von 3 H. zu beziehen. 
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