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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 222)

schrittliche Entwickelung durch fortgesetzte Versuche und Verbesserungen 
zu fördern. - 
Adjunct Dr. Linke beschäftigte sich im Vereine mit dem Stipen- 
disten der Anstalt, M. Bamberger, und in Fortsetzung mit E. Adam 
mit der Untersuchung der persischen Thonfliesen mit dem charakteristi- 
schen Unterglasurdecor. Es wurden die ganz eigenartigen Thonmassen 
der Originalfliesen mehrfach einer eingehenden Analyse unterzogen und 
darnach synthetische Versuche mit variirten Rohmaterialien und Brenn- 
methoden zur Erzielung des gleichen Productes gemacht, die von einer 
Reihe von Versuchen zur Ermittlung der passenden und dem Originale 
ähnlichen Glasuren, den entsprechenden Unterglasurfarben und tech- 
nischen Prozeduren der Herstellung begleitet sein mussten. Die Unter- 
suchung hat im Principe eine Lösung des Problemes ergeben, ist 
aber nicht abgeschlossen, da zur Zeit die Herstellung von Plattenkörpern 
größerer Dimensionen noch Schwierigkeiten macht, die zu beheben sind. 
Eine weitere Thätigkeit des Adjuncten Dr. Linke war der Fort- 
setzung der im Vereine mit dem Stipendisten der Anstalt, E. Adam, 
begonnenen Arbeiten gewidmet, die Technik des Limousiner Ernails voll- 
ständig zu erforschen, dieselbe in allen Details sowohl bezüglich der Her- 
stellung der Emailfarben und Präparate, als auch der technischen Hand- 
habung, zu beherrschen. Schritt für Schritt musste mit den während der 
Arbeit gewonnenen Erfahrungen von kleinen Laboratoriumsproben zu com- 
plicirteren größeren Musterstücken fortgeschritten werden, wie solche nun 
schon vielfach in den Ausstellungen des Oesterr. Museums zur Schau ge- 
bracht werden konnten. Diese Resultate ermöglichen es der Schule für 
keramische Decoration an der k. k. Kunstgewerbeschule, das Limon- 
siner Email, unabhängig von Hilfsmitteln auswärtiger Provenienz, zu 
pBegen und diese Technik von Grund aus zu lehren. Bei der Herstellung 
größerer Emailgegenstände mussten Verbesserungen und Vergrößerungen 
der Brennvorrichtungen der Anstalt vorgenommen werden und ist nun 
die Schule in den Stand gesetzt, Gegenstände bis zu Dimensionen, die 
der Natur der Technik nach noch möglich erscheinen, herzustellen. 
Es ist, was den Chemismus betrifft, eine reiche Scala transparenter 
Emaile von möglichster Zähigkeit und Elasticität geschaffen; durch die 
Einführung von Platin statt der Silberfolie ließen sich mancherlei frühere 
Uebelstände und Schwierigkeiten der Technik beheben; Unteremailfarben 
gestatten das Schattiren der transparenten Emaile; das weiße Email zur 
Herstellung der Bildreliefs wurde so weit raffinirt, als es die Anforde- 
rungen des ausübenden Künstlers wünschenswerth erscheinen ließen; eine 
Scala von widerstandskräftigen Farben ermöglicht eine sichere Tönung 
der Reliefbilder, als auch Malerei auf glattem, weißem Emailgrunde. 
Arbeiten, die auf die anderen Arten der Emaillage, so namentlich das 
Maleremail unter Glasur sowie das Zellenemail hinzielen, sind im Zuge 
und noch nicht zum Abschluss gelangt.
	        

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