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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 222)

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zwischen beiden gestaltet sich bei der überwiegenden Mehrzahl immer 
inniger. 
Einer wirklich musterhaften Organisation erfreuen sich, Dank der 
aufopfernden Fürsorge des Herrn Curaten Mitterer, die Schulen in 
Male und Proveis. 
Schließlich erlaubt sich der Gefertigte in Bezug auf die praktische 
Abtheilung des Central-Spitzencurses den Wunsch auszusprechen, es möge 
ein hohes Ministerium die Mittel finden, eine größere Anzahl Zöglinge 
zu ihrer Ausbildung an diese Abtheilung einzuberufen, als dies bis jetzt 
der Fall war. Es würde sonst die Gefahr naheliegen, dass größere Be- 
stellungen wegen Mangel an gleichmäßig geschulten Kräften nicht mit 
jener Raschheit ausgeführt werden könnten, wie sie der allgemeine ge- 
schäftliche Verkehr unbedingt verlangt. 
Wien, l. November 1883. 
Papyrus Erzherzog Rainer. 
Vor einiger Zeit berichteten wir über den Ankauf des großen Papyrus- 
schatzes von el-Faijüm durch Se. kais. Hoheit Herrn Erzherzog Rainer, 
welcher großmüthig verfügt hat, dass-derselbe im k. k. Oesterr. Museum 
aufgestellt und daselbst, unter der Leitung des Professors Karabacek, der 
wissenschaftlichen Forschung zugänglich gemacht werde. Seitdem wurde 
an der Ordnung und Bestimmung des unvergleichlichen Urkundenmaterials 
emsig gearbeitet und wir sind in der Lage, den Freunden der Wissen- 
schaft über die dabei jüngst gemachten hochinteressanten Funde Einiges 
mitzutheilen. 
Als älteste Papyrus sind bisher zwei demotische aus der Zeit um 
Christi Geburt gefunden worden, so dass dadurch ein Urkundenmaterial 
aus einem Zeitraume von fast iooo Jahren festgestellt erscheint. Allgemein 
nahm man bisher an. die Provinz Faijüm sei nur allein die große ägyp- 
tische Fruchtbörse der alten Welt gewesen, ohne jedes literarische und 
geistige Bestreben ihrer Bevölkerung. Der Fund eines kleinen Papyrus- 
fragmentes , welches augenscheinlich einem griechischen Dichter 
angehört, war nur insoferne wichtig, als sich in mehreren Urkunden auch 
die Erwähnung von einem Theater in Arsinoä (el-Faijüm) voriindet, 
also die Hoffnung begründet erschien, weitere Belege von dem geistigen 
Leben der griechischen Einwohnerschaft daselbst zu finden. Diese Ver- 
muthung wurde in den letzten Tagen auf das Glänzendste bestätigt. 
Dr. Karl Wessely hatte das Glück, ein Pergament-Fragment des 
Thukydides (Historiker des 5. Jahrhunderts vor Chr.) aufzufinden. 
Dasselbe enthält in 44 Zeilen den  3 des 9x. Capitels und die 1-6 
des 92. Capitels des VIII. Buches. Der Schrift nach zu urtheilen ist 
dieses sensationelle Fundstück um die Wende des 3. Jahrhunderts nach
	        

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