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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 224)

K LElNERE MITTHEILUNGEN. 
(Gedenkfelerliohkeit im Museum.) lm Laufe des Monats Mai 
wird das Denkmal des Oberbaurathes Heinrich Freiherrn von Ferstel 
zur Aufstellung gelangen, welches das Curatorium dem Erbauer des 
Museums gewidmet hat. Aus Anlass dieser Feierlichkeit wird im Museum 
auch eine Ausstellung von Zeichnungen, Aufnahmen und Entwürfen 
Ferstel's veranstaltet und hat sich die Direction in einem Aufrufe an 
die Besitzer von Zeichnungen des verstorbenen Künstlers mit der Bitte 
um freundliche Ueberlassung derselben zu Zwecken dieser Ausstellung 
gewendet. 
(Besuch des Museums.) Die Sammlungen des Museums wurden im Monate 
April von 7918, die Bibliothek von m79 Personen besucht. 
(Oesterr. Museum.) Neu ausgestellt: Im Arcadenhofe: Plastische Arbeiten 
von A. Kühne, Lehrer an der Kunstgewerbeschule, uWassertragerinu, i-Schnittera, 
nPhrynen, nThorwartu und Anderes; - im Saale Vll: Polychromirte Holzschnitzereien 
von W. Rerneschw aus der Schule von H. Klotz; - im Snale Vl: Anstreicher- 
arbeiten von Feger und Freygag in Wien; - im Saale I_: zwei Platten, gepresste 
Arbeit in Silber vom Jahre t656 und ein Armband von Kurdistan. 
Kühne, dessen Statuetten oben angeführt sind, nimmt unter den 
österreichischen Bildhauern bereits eine beachtenswerthe Stellung ein. 
Seine Arbeiten sind feinsinnig, eigenartig und sorgfältig in der Model- 
lirung; seine nackten Figuren sind nie frivol und auch für zart empfin- 
dende Beschauer nie beleidigend. Ganz reizend sind uder Schnitten: und 
v-die Violinspielerinu und würden sich für Ausführung in Metall ganz 
besonders empfehlen. "Der Thorwartu ist eine Bestellung und wird im 
Großen in Marmor ausgeführt werden. A. Kühne ist ein Sachse, aus 
der Schule HaehnePs hervorgegangen, und wirkt seit Jahren erfolgreich 
an der Kunstgewerbeschule des Museums. 
- lm Vorlesesaal des Museums ist seit etlichen Tagen ein reichhaltiges nPhoto- 
graphisches Wander-Albumi entfaltet. Die 540 Cartons mit S31 Bildern bedecken auch 
die Wande des in 'Zellen aufgetheilten Vorraumes. Die Ausstellung ähnelt der vor 
Kurzem gleichfalls in diesen Localitäten dem Publicum vorgeführten Baron Stillfried- 
sehen Sammlung. Förderung der Erd- und Völkerkunde durch Anschauung: das ist der 
Zweck der gegenwärtigen, wie es jener der kurz vorhergegangenen Ausstellung war. 
Der Aussteller dieses Albums ist der Marine-Oberstabsarzt Dr. Heinr. Wnwra v. Fern- 
see. Auf seinen acht Weltreisen seit dem Jahre t857 speicherte er Erinnerungsblatter 
auf, wo welche zu haben waren, von Objecten, die er selbst gesehen, mit vornehm- 
licher Bedachtnahme auf die außereuropaischen Lander. Vertreten sind in seiner Col- 
lection Italien, Dalmatien, Spanien, Lissabon, Griechenland, Türkei, Aegypten, Marokko, 
Dakar, Capland, Java, Ceylon, Pulo-Pinang, lndien, Singapore, Siam, China, Annam, 
Japan, Hawai, Neuseeland, Australien, Hnvanna, Jamaika, Nordamerika, Peru, Chili, 
Argentina und Brasilien. Mexikanisches fehlt, weil dem Weltfahrer die bezüglichen 
Blatter abhanden gekommen. ln der Capstadt, auf Madeira, Teneriffa war nichts 
Brauchbares aufzutreiben. lu Nordamerika dient die Photographie hauptsächlich dem 
Porträt und Reclamezweclren, wie beispielsweise bei der lnitiirung der wintonigenu 
Pacilic-Bahn. Aus den Verkehrscentren sich viel hinauszuwagen, scheint die Herren 
Photographen nicht zu gelosten. - Um nun auf die Sammlung selbst einzugehen, 
lernen wir zunächst die Schiffe kennen, welche den Sammler in die Weite getragen. 
Das antike Pola, die hehren Ruinen Athens und das Prachtpanorama von Constantinopel 
fesseln unbedingt. Lissabon hat ein architektonisches Bijou an dem Kloster Belem, 
halb maurisch-byzantinisch, halb normannisch-gothisch. Was aus China, Japan und 
Siam vorliegt, deckt sich mit der Stillfriedkchen Sammlung. Neu ist hier die chine- 
sische Mauer, die sich als gewaltige und zierliche Architektur zugleich vorführt und 
vorn Zahn der Zeit wenig benagt zu sein scheint. Die Felsentempel von Ellora, die 
Prachtmausoleen von Agra, der Palast der letzten Sultane von Delhi und die Moschee- 
Ruinen aus der Zeit der ersten arabischen Invasion charakterisiren Indien. Ceylon ist 
durch einige singalcsische Hauptlinge und den Braminentempel zu Kandy vertreten. 
Hawai weist in Porträts sein Konigsgeschlecht auf. Auf Nordamerika entfallen die Niagara-
	        

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