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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 225)

von ihnen hat sich an Ausstellungsobjecten verblutet, von welchen er 
das Glück der Zukunft erhoffte. Ruheloses SchaEen, reger Wetteifer und 
Unternehmungslust sind ein anerkennenswerther Charakterzug unserer 
Möbelindustriellen, aber es steht schlimm um Jene. deren rastlose Thä- 
tigkeit sich in nutzlosem Experirnentiren aufreibt, deren Wetteifer außer 
Verhältniss steht zu ihrer finanziellen Kraft, deren Unternehmungslust 
nicht Hand in Hand geht mit Vorsicht und Sachkenntniss. - Auch in 
diesem Falle geben uns die Ausstellungs-Kataloge Auskunft, allerdings nur 
eine negative: Eine bedeutende Anzahl von Namen linden wir einmal 
und dann nicht wieder. I 
Wir hielten es für nothwendig, und im Interesse der Wiener Möbel- 
industriellen gelegen, auf die erwähnten Schäden hinzuweisen, ihre Lei- 
stungsfähigkeit soll aber damit umsoweniger bestritten werden, als auch 
diesmal, obwohl sehr ansehnliche Firmen und Namen ersten Ranges sich 
an der Ausstellung nicht betheiligt haben, ganz vorzügliche Arbeiten 
vorhanden sind. Unter diesen sind in erster Linie die Schränke von 
F. Pilik zu nennen, ferner eine Anzahl recht guter Schlafzimmerein- 
richtungen, wie die von J. Weber, J. Wyterlik u. A., wogegen jenes 
von H. Pacher durch die missglückte Tapezierarbeit sehr gelitten hat. 
Auch jenes Schlafzimmer in bescheidenem Rococo kann zu den besseren 
Arbeiten gezählt werden, und so wäre noch eine Anzahl von Objecten 
anzuflihren, die unserer Möbelindustrie alle Ehre machen. Ohne Zweifel 
hat dieselbe auf den zahlreichen kleinen Ausstellungen viel gelernt, das 
gute Beispiel, womit unsere hervorragenden Firmen wie Irmler, Bernhard 
Ludwig, Albert, A. Schmitt 8: Sohn und manche Andere seit vielen 
Jahren vorangehen, hat zahlreiche Nacheiferung gefunden. Aber es genügt 
nicht, sich stets nur in engen Kreisen zu bewegen, nur unter Berufs- 
genossen die Kräfte abzuwägen. Es ist an der Zeit wieder einmal die" 
gesammte Kunstindustrie der diesseitigen Reichshälfte auf einer großen 
Ausstellung zu vereinigen, denn nur in ihrer Gesammtheit lässt sich der 
Werth derselben richtig beurtheilen, nur wenn Alle vertreten sind, kommt 
jeder Einzelne an den Platz, der ihm gebührt. Die einzelnen Zweige der 
Kunstindustrie hängen ja auf das engste zusammen. Keiner kommt für 
sich allein zur vollen Geltung, keiner im praktischen Leben isolirt in 
Gebrauch. Und so wollen wir helfen, dass die Wiener Möbelindustrie, 
wenn es nächstens einmal gilt sich in ihrer vollen Kraft zu zeigen, ihren 
altbewährten Ruf nicht allein behaupten, sondern neue Lorbeeren den 
alten hinzufügen wird. 
J. Folnesics.
	        

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