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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 225)

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überzeugend wirken, und weil es nur auf diese Weise gelingen kann, 
die alten Formen neu zu belebenß 
"Das Motto (Bramante), welches ich meinem Entwurfe zu Grunde 
gelegt habe, soll dieser meiner Ueberzeugung Ausdruck verleihen, dass 
uns das Beispiel der alten Meister auf den rechten Weg führen mussnx 
vNicht als ob ich die Richtung Bramantes als die maßgebende 
bezeichnen wollte, wohl aber seine großen Absichten, welche allein im 
Stande sein können, uns zu bedeutenden architektonischen Thaten zu 
befähigenß 
v-Bramante befand sich am Schlusse des 15. Jahrhunderts in einer 
ähnlichen Lage, in der wir uns heute befinden. Aus dem bunten und 
ziemlich zerfahrenen Wesen der damals herrschenden Richtungen wusste 
er den richtigen Weg zu wählen, indem er bei Anwendung einfachster 
Mittel vor allem anderen auf den charakteristischen Ausdruck den archi- 
tektonischen Accent zu legen bemüht war. Das reiche schmückende 
Detail suchte er durch richtige Verhältnisse zu ersetzen, und indem er 
das Schwergewicht auf "große Raumgestaltung und auf Gliederung in 
diesem höheren Sinne architektonischer Bildung legte, hat er jene Rich- 
tung inaugurirt, welche mit Recht als die goldene Zeit der Architektur 
bezeichnet Wifdan 
uDie Eignung der italienischen Hochrenaissance für die modernen 
Bedürfnisse, man kann wohl sagen ihr internationaler Charakter dürfte, 
nachdem ein streng nationaler Styl nicht vorliegt, die gewählten Formen 
für den vorliegenden Zweck wohl CXHPfElIlEILK 
nDlC eigentliche künstlerische That scheint mir aber weniger in der 
correcten Behandlung anerkannt guter Formen zu suchen zu sein, als 
vielmehr in der richtigen Anwendung auf eine aus der Natur der Auf- 
gabe sich entwickelnde charakteristische Gebäudeform, also in der archi- 
tektonischen Grundgestaltung sowohl des Innern wie des Aeußernß 
"Dass hierbei der Schwerpunkt auf die Hauptform und auf gute 
Verhältnisse zu legen ist, wird unbestritten bleiben, ebenso, dass das 
Detail möglichst einfach sein muss, um wirkungsvoll zu bleiben, indem 
die Wiederholung und der Wechsel einfacher Architektur-Motive von 
selbst zu einem wohlthuenden und verständlichen Reichthurn führt. In 
gleicher Weise wird auch zugegeben werden, dass ein derartiges Bauwerk 
eines höheren Schmuckes als der ermüdenden Wiederholung schema- 
tischer Ornamente bedarfni 
wZur Verwirklichung der einschlägigen, in reichem Maße sich er- 
gebenden ldeen müsste der Bildner in Erz und Stein, der Maler und 
Mosaikist, sowie die in Folge weiser Püege nun rasch aufblühende Kunst- 
industrie ihr Bestes beitragenm 
Nicht minder interessant sind seine Aeußerungen über die Stellung 
der Architekten im Staatsleben und über den Einfluss der Mode auf die 
Kunst und das Bauleben. Im November 1882 hielt er im n. ö. Gewerbe-
	        

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