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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 225)

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dergleichen Mittel- und Eckstücke z. B. auf olivengrünem Sammt ange- 
bracht. Natürlich möchten wir nicht das einfache Copiren solcher Vor- 
bilder empfehlen, es wäre auch nicht nothwendig, dieselben PHanzen- 
motive zu benützen: nur der Grundgedanke der Verbindung von Filigran 
mit Email scheint der Aufnahme und Pflege werth. Ferner lässt sich 
diese Technik noch mit der verwandten des Niello vereinigen, wie z. B. eine 
Niellobordüre mit Füllungen von Filigranemail an einem Bucheinbande 
sehr feine Wirkung macht. Und hier mögen auch die Gürtel erwähnt 
werden, die entweder aus lauter niellirten Plättchen, oder aus solchen 
mit getriebenen abwechselnd gebildet sind. 
Diese Stylströmung ist, wie wir an Kelchen gesehen haben, gelegentlich 
mit der von Westen gekommenen, welche in der Gefäßbildnerei vor- 
herrscht, zusammengeßossen. Im allgemeinen aber stehen wir, so lange 
nicht Klarheit in die Beschau- und Meisterzeichen gebracht ist, den meisten 
kirchlichen und Profangefäßen höherer Ordnung rathlos gegenüber, wenn 
wir sagen sollen, ob sie aus Deutschland eingeführt oder nach deutschen 
Mustern gearbeitet seien. Dass ungarische und siebenbürgische Goldschmiede 
gewandert sind, lehren uns die Namen Georg Zeggeyn aus Szegedin, im 
16. Jahhundert in München, Lucas Sybenb urger in Innsbruck um 1500, 
Thoman Gerhart aus Siebenbürgen, um 1450 in Wien, u. s. w. Andere 
werden in die Heimat zurückgekehrt sein und das in Augsburg, Nürnberg 
Breslau etc. Gelernte ausgenutzt haben. Fehlt es doch nicht an Nach- 
richten über das Zuwandern fremder Gesellen aus weiter Ferne nach 
Siebenbürgen; so hat Friedrich Müller im iiSächsischen Hausfreundu 
für 1865 Geburts- und Leumundszeugnisse für Goldschmiedegesellen aus 
Nürnberg (1515), Stettin (1519) -- die beide, wie es scheint, in Hermann- 
stadt gearbeitet haben - und Halberstadt (1520) in Mediasch als noch 
in den dortigen Zunftladen vorhanden erwähnt. Ebenda erfahren wir auch 
manchen Meisternamen, wie beispielsweise Simon von Kronstadt, Bortel 
Igell und Karl Greger von Schässburg, Michael Theylner und 
Antonius von Bistritz, Dominicus Heltner und Zürwes (Servatius) 
Heltner von Mediasch, Antonius Blass und Marcus Letz von Hermann- 
stadt, welche 1559 als Vertreter ihrer Zünfte Zusätze zu den Statuten der 
siebenbürgischen Goldschmiede, und zwar in deutscher Sprache, beschlossen 
haben. (Mithin ist die Angabe auf S. 35 des "Führersitz nDie Goldschmiede- 
zünfte wurden am Anfange des 16.Jahrhunderts magyarischu cum grano salis 
zu nehmen, wenn auch "die Zunftregeln der Kaschauer und Klausenburger 
Goldschmiede in ungarischer Sprache verfasste sind.) Leider scheint Punkt 5 
der Regulative von 1539, und Artikel z vom Anfang des 16. Jahrhunderts, 
wonach jede Goldschmiedearbeit mit Zunft- und Meistermarke versehen 
sein sollte, weder damals noch später streng gehalten worden zu sein. 
Bei der riesigen silbernen Pilgerflasche aus dem Besitze des Fürsten 
Eszterhazy wird für die ungarische Provenienz die Gestalt der nationalen 
Kürbisiiasche (Kulacq) geltend gemacht; die Provenienz soll nicht bezweifelt
	        

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