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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 226)

Wien keine öffentliche Staatsgalerie gibt, in welcher Bilder 
von modernen österreichischen Künstlern würdig und nur einigermaßen 
vollständig vertreten wären. 
Es ist nöthig, daran zu erinnern, dass speciell unser Kaiser und der 
gesammte kaiserliche Hof alljährlich große Summen der Kunst widmen, 
welche selbstverständlich im Budget nicht erscheinen. Ferner muss die 
Thatsache erwähnt werden, dass die Stadterweiterung Wiens, welche den 
Anstoß zu ähnlichen Unternehmungen in der ganzen Monarchie gegeben 
hat, aus der Initiative des Kaisers hervorgegangen ist und dass die Stadt- 
erweiterung die Mittel geboten hat, Monumentalbauten auszuführen. 
Die einzige Gemäldegalerie, welche gewissermaßen als Staatsgalerie 
betrachtet werden kann. ist die Gemäldegalerie der k. k. Akademie der 
bildenden Künste in Wien, deren Grundstock bekanntermaßen ein Ge- 
schenk des Grafen Lamberg bildet, welcher seinerzeit als Curator der 
Akademie fuugirte. Aber auch diese Galerie hat für die Erwerbung von 
Bildern moderner österreichischer Künstler keine Dotation. Daher kommt 
es, dass alle Kunstfreunde und Künstler, welche Wien besuchen, sich 
vergebens nach einer öffentlichen Galerie umsehen, in welcher die 
Werke hervorragender österreichischer Künstler, gleichgiltig, 0b sie im 
lnlande oder im Auslande leben, würdig und möglichst vollständig zu 
finden sind. Es ist daher begreiflich, dass in den Kreisen der Kunst- 
freunde und der Künstler sich hierüber ein gewisses Missbehagen geltend 
macht und dieses Missbehagen noch dadurch gesteigert wird, wenn man 
sieht, welche Mittel für andere staatliche Zwecke verwendet werden und 
wie gering die Summe ist, welche für ölTentliche Kunstzwecke im Budget 
erscheint. Für die Bildhauerei, die decorative Kunst und das Kunst- 
gewerbe ist in den letzten "Jahren durch die Monumentalbauten gesorgt 
worden, und das Interesse für diese Zweige der Kunst ist in Folge dessen 
stark im Wachsen begriffen. Aber für die Malerei, sowohl für die monu- 
mentale Wanddecoration als für Historienmalerei und andere verwandte 
Zweige der Malerei ist der eingestellte Betrag beschämend klein, wenn man 
bedenkt, welche Beträge selbst in kleinen Staaten, wie Württemberg, 
Bayern und Sachsen für Zwecke der Malerei verwendet werden. 
In Sachsen wurden behufs Erwerbung von Gemälden aus Staats- 
mitteln 80.000 Mark; in Bayern zu dem gleichen Zwecke 42.000 Mark; 
in Württemberg werden jährlich für die Gemäldegalerie t7.14t Mark, 
für die Plastik 2057 Mark, für die Kupfersticb- und Handzeichnungen- 
sammlung 5142 Mark verwendet'). Die modernen württembergischen 
') Das Knnstbudget des Königreichs Sachsen ist ein bedeutendes. Die Daten 
sind aus ofiicieller Quelle: Sammlungen für Kunst und Wissenschaft 603.037 Mark; 
Immobiliar- und Brandversicherung derselben 4.387 Mk.; Akademie der bildenden Künste 
in Dresden 92.820 Mk.; an den Kunstfond zur Herstellung monumentaler Werke der 
Malerei und Bildhauerei 60.ooo Mk.; fnr lnventarieirung von Kunst- und Bandenkmalern 
5.000 Mk.; Unterhaltung des Rietschel-Museutns 1.600 Mk.; Kunstakademie und Kunst- 
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