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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 230)

40 Städten mit zusammen 6000 Abonnenten; Berlin hat fünf derartige 
Anstalten mit nahezu 3000 Theilnebmern und für die Bedürfnisse der 
ländlichen Bevölkerung bestehen zur Zeit t660 Fernsprechämter. 
Der Bericht geht weiters auf die Rohproducte der Landwirth- 
schaft und die Fabrikate aus denselben über. 
Der Abschnitt "Zur Bronze - Kunst - Industrien enthält die 
folgenden fachmännischen Urtheile: 
rAn künstlerisch gebildeten und geschulten Kräften für Entwürfe und Herstellung 
von Modellen unserer Branche fehlt es nicht und wurden solche selbst gesteigerten An- 
sprüchen wohl genügen. Leider macht sich die Anfrage nach billiger Waare wieder sehr 
geltend, sowohl von Seiten des Publicums, als auch von Seiten der fremden Einkäufer. 
Viel tragt wohl dazu bei, dass die Bronze-Imitationen den echten Bronzen im Aussehen 
sehr täuschend nachgemacht werden, ohne auch nur annähernd so solide zu sein; das 
Publicum fühlt sich betrogen, und bei den fremden Einkaufern scheint leider das Vor- 
urtheil wieder Platz zu greifen, dass man nach Berlin nur reisen müsse, um billige 
Sachen zu kaufen, wenn dieselben auch nicht echt sind. 
Bei den merklichen Fortschritten unserer Bronze-Industrie nach allen Richtungen, 
sowohl in Schönheit der Formen, in sauberer guter Bearbeitung und in künstlerischer 
Ausführung, welche sie in den Stand setzen, jeder Concurrenz die Spitze bieten zu 
können, handelt es sich vor Allem darum, dieses Vorurtheil zu beseitigen, um den Absatz 
der echten und guten Bronzen zu heben. Eine Vermehrung desselben wird leider durch 
die Beschickung auswärtiger Ausstellungen nicht herbeigeführt, wenigstens haben die 
Ausstellungen in Porto-Allegre und in Amsterdam keinen Etfect gehabt und viel Mühsal 
und Verlust verursacht. 
Die im vorjahrigen Berichte als bevorslehend erwähnte Aenderung des Geschmacks 
hat thatsächlich stattgefunden; es führt sich der Rococostyl immer mehr ein, ja selbst 
principielle Gegner dieses Styls machen in ihren Entwürfen demselben bedeutende Con- 
cessionen. Solange derselbe nicht ausartet und sich auf edlen Grundformen aufbaut, ist 
wohl keine Klage darüber zu führen, da die große Elasticitat und Lustigkeit dieser Stylart 
der Phantasie weiten Spielraum lässt.- 
Bezüglich des Export- und Detailhandels wiederholt der Berichterstatter seine vor- 
jährigen Bemerkungen. Er beklagt ferner, dass bei Rechtsstreitigkeiten über das geistige 
Eigenthum von Mustern und Modellen dieser kunstgewerblichen Gattung als Sachverstan- 
dige nicht künstlerisch gebildete Männer, sondern Gürtlermeister zugezogen werden und 
in mehr als einem Falle Entscheidungen gefallt worden seien, welche bei Kunstverstän- 
digen Aufsehen erregt hatten. 
Ein anderer Berichterstatter sagt: 
nDie Bronze-Kunstindustrie hat sich im verflossenen Jahre normal weiter ent- 
wickelt und ist wohl in allen Branchen ein Fortschritt zu constatiren, sowohl in Betreff 
des Consums als auch in Betreff der Form und der Arbeit. Es ist auch im verflossenen 
Jahre eine große Zahl neuer kunstgevverblicher Modelle ausgeführt worden, welche von 
dem steten Streben Zeugniss ablegen, die verschiedenartigsten Gebrauchs- und Luxus- 
gegenstande theils ganz in Bronze, theils aus anderem Material und nur mit Bronze ver- 
ziert herzustellen. 
Wir mochten jedoch hierbei auf einen Umstand aufmerksam machen, der schon 
jetzt vielfach unsere Kunstindustrie geschädigt hat, und, wenn derselbe nicht beachtet 
wird, mit der Zeit immer mehr sich nachtheilig erweisen dürfte. 
Es ist dies die übertriebene Sucht der Kunstindustriellen, zu viel neue Modelle 
liefern zu wollen. Da die Künstler nicht im Stande sind, den Anforderungen nach einer 
so großen Zahl origineller Entwürfe zu genügen, so entstehen vielfach den vorhandenen 
Modellen ganz ähnliche Muster, die oft viel zu wünschen übrig lassen, das Publicum 
ermüden und die Vlaare selbst im Preise herabdrücken. 
Es ware im Interesse Aller wünschenswerth, wenn die Summen, welche auf diese 
Weise ausgegeben werden, productiver angelegt würden und nicht dazu dienten, das 
eigene Fabrikat zu entwerthenn 
Ueber nSilber- und Goldwaaren-Fabrication, Juwelenu 
sagt der Bericht: 
i-Die Silberwaaren-Fabrication stand in Bezug auf die Quantität des Umsatzes und 
die Qualität der gefertigten Waaren dem vorangegangenen Jahre in keiner Beziehung
	        

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