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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 231)

Abrede gestellt wird. Es wird uns in den meisten Fällen auch nicht viel 
daran liegen, da ja einstweilen noch Namen, wie Kado Tamiltichi oder 
Kiyomidsu oder Otokoyama gleich leerem Schall an unser Laienohr 
schlagen, vorausgesetzt freilich, dass wir mit dem ästhetischen Werthe 
im Reinen sind. 
Aber auch darin, im ästhetischen Werthe, ist die Sache neuerdings 
unklar geworden. Der Verkehr unserer Kunstfreunde mit japanischen Ken- 
nern und Sammlern hat zu der Erkenntniss geführt, dass in Japan und 
China ganz andere Begriffe von der Schönheit und dem Werthe des 
Porzellans herrschen als bei uns, dass z. B. die Gefäße, welche als 
"alt Japans im t8. Jahrhunderte in Europa so hohe Geltung hatten und 
noch heute im Besitze der Familien sich befinden, Gefäße, wie wir sie 
gewaltig und zahlreich auf unserer Ausstellung sehen, in ihrer Heimat 
gar nicht geschätzt werden, weil sie alle für den europäischen Markt, 
nicht für den heimischen geschaffen worden. Der japanische Kenner und 
Sammler schätzt vor Allem das Alter und gewisse Beziehungen, die sich 
etwa an den Gegenstand knüpfen, nicht aber die Vollkommenheit der 
Arbeit, die Schönheit der künstlerischen Ausstattung. Was er schätzt 
und sammelt, ist erstens das vor Zeiten auf der Halbinsel Korea gemachte 
Porzellan, Gegenstände von durchaus roher Erscheinung; zweitens das 
eigene, sehr alte japanische Porzellan und drittens verschiedenes chine- 
sisches Porzellan von besonderer Art und besonderer, zumal einzelner 
Farbe. Das übrige japanische Porzellan ist nicht Gegenstand der Samm- 
lung, wenn auch die Form noch so elegant, die Decoration noch so reich 
ist. Eine rohe, skizzeuhafte, mehr malerische Verzierung steht dem Sammler 
viel höher. 
Durch diese absonderliche Passion des japanischen Sammlers, die 
mit Kunst und Geschmack eigentlichwenig zu thun hat, ist aber auch 
der Geschmack der europäischen Kunstfreunde und Sammler beeinflusst 
worden. Wir sollen nun das missachten, was in Europa früher für aus- 
gezeichnet galt und was wir selber um seiner decorativen Schönheit willen 
haben schätzen lernen; wir sollen Werth legen auf Dinge, die ganz unan- 
sehnlich, oftmals gänzlich roh sind, blos weil sie bei dem japanischen 
Sammler Geltung haben, weil dieser solcher Gefäße von bestimmter 
Beschaffenheit, Herkunft und Alter bei seinen traditionellen Thee-Cere- 
moniert bedarf. Das scheint uns eine Verkennung des richtigen Stand- 
punktes zu sein. Für uns Europäer, wenn wir in der That gebildete und 
erleuchtete Kunstfreunde sind, kann nur das Werth haben, was wirklich 
an sich und allgemein schön ist oder was uns durch seine originellen 
Reize fesselt. Dasjenige, an welchem sich Kunst und Geschicklichkeit 
zeigt, wenn auch die Art von der unseren verschieden ist; das Rohe, 
Unvollkommene, rein Ahsonderliche und Bizarre können wir getrost den 
Japanern und Chinesen überlassen. Leider ist es nicht ganz so; ein wenig 
von diesen Passionen des japanischen Sammlers ist auch in unsere Aus-
	        

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