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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 233)

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der 
„Mittheilungen des k. k. Oesterreißh. Museums." 
baum fort, indem bei weiterschreitendem Werke das fertige Gewebe am 
Brustbaum aufgewickelt wird, wodurch die aufgespannte Kette gegen den 
Arbeiter wieder verrückt. 
Der Juruken-Stuhl hingegen hat von dem durch das eigentliche 
Weben bedingten künstlerischen Mechanismus nichts an sich und könnte 
nach Aussehen und Bestimmung eher mit einem Stickrahmen verglichen 
werden. Sein hölzernes Gestell ist aufrecht stehend. Es besteht aus 
zwei aufrecht in die Erde geramrnten Pfosten, die zuweilen auch 
als zwei in Schwellen verzapfte und verstrebte Ständer erscheinen. Sie 
tragen oben ein drehbares walzenförmiges Querholz, den Kettbaum, von 
dem die wollenen Kettfäden zu dem Waarbaum senkrecht herabgespannt 
sind. Dieser besteht aus einer kräftigen Welle, welche gleichzeitig zur 
Aulwickelung des fertigen Werkes dient, indem sie durch eine Haspel- 
speiche gedreht werden kann. ln der mittleren Höhe des Stuhles befinden 
sich zwei von den Kettfäden umzogene Querhölzer, von denen das 
längere an die Ständer festgegabelt ist, wodurch die Kettfäden in ihrer 
Lage gehalten werden. Sie dienen also beiläufig zu demselben Zwecke, 
wie das Riet in der heutigen Weberei. 
Die Arbeit an diesem Stuhle ist keine Weberei, sondern entspricht 
im Vorgange der Gobelintechnik. Die sitzende Arbeiterin zieht hiebei 
ohne den Gebrauch einer Nadel oder eines sonstigen Instrumentes mit 
den Fingern den farbigen Wollfaden durch die Kette, indem sie stets 
nur eine Farbfläche mit derselben ausmalt. Jede einzelne Farbenlinie wird 
zur Verdichtung mit dem Kamm (xreic, pecten, türk. taräk), einem ge- 
zinkten plumpen Holzinstrument (Fig. 3), das in anderen Gegenden, z. B. 
im Kaukasus, aus Eisen besteht, angeschlagen. 
Diese Technik, bei welcher nach abwärts gearbeitet wird, ist wohl 
von allen alten Culturvölkern geübt worden und kommt dem Flechten 
am nächsten. Sie scheint mir nicht durch die Eintheilung berührt zu 
werden, welche H. L. Ahrens in seiner sehr verdienstlichen Abhandlung 
nDie Webestühle der Altem (Philologus XXXV. S. 395) mit Beziehung auf 
die beiden Arten aufrechtstehender Webestühle des classischen Alterthums 
trifft; denn hier handelt es sich um keinen Webestuhl im eigentlichen 
Sinne des Wortes. Der Juruken-Stuhl ist vielmehr das uralte Prototyp 
des Haute-lisse-Stuhles, wie er in der Tapisserie Geltung hat, und die 
Bezeichnung metier de haute-lisse ist nichts Anderes als die französische 
Uebersetzung des alten sarazenischen Kunstausdruckes käimet el-kadar, 
X. Bd. 1885. 25
	        

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