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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 243)

zu seinen Füssen einen Löwen, seitwärts das Streitroß, im Hintergrunde 
eine große Stadt. Die Pilaster des architektonischen Rahmenwerkes sind 
mit Wappenschilden bedeckt, eine Inschrift am Sockel nennt den Künstler 
mit folgenden Worten: Avs um um am ICH ecrtosssn wormzluo NEIDT- 
HAIÄDT m vut an MICH GOSSEN. 159g. Diese Inschrift, sowie die Grab- 
schrift, sind in Antiqua-Majuskelit, die Unterschriften der Wappen in 
Fractur ausgeführt. Im Uebrigen ist die Kirche im Barocltstyl ausgestattet, 
und enthält in den Malereien an Spiegeln und Zwickeln der: Gewölbe, 
Umrahtnungeit und anderem ornamentalem Detail, Gitterwerk u. s. w. viel 
Erfreuliches , einschließlich der im schlichtesten Rococu gehaltenen 
Kirchenstühle. ' v 
In ganz anderer Richtung nimmt die neue Kirche der vaticanischen 
Katholiken von Meßkirch das Interesse in Anspruch. Hier lernen wir 
nämlich den von Mönchen des ehemaligen"Benedictinerklosters Benron 
an der Donau (hohenzollersche Enclave an der badisch-württembergischen 
Grenzelerfundenen neuen kirchlichen Styl kennen. Wie jeder erfundene Styl 
setzt sich derselbe aus Reminiscenzenan verschiedene ältere zusammen und 
zwar haben wir die Heimat der einzelnen Elemente in Aegypteu; Assy- 
rien, den Katakomben, dem früheren und dem späteren christlichen Mittel- 
alter zu suchen. -Colossale Federwedel trennen AuBen- und lnnenwände 
in Felder mit Medaillons; im Ornamentalen überwiegen die Anklänge an 
das-Alterthum, 'im'Figürlichen muss der Eintluss Fiesole's (oderviellelcht 
Overbeelis?) sich mitCoticessionen an einerpopuläre Richtung vertragen, 
wie-siejin dem Christus mit offenem Herzen über dem Altar zur Erschei- 
nung kommt, Die Neigung zu kräftiger Farbengebungzist  am wenigsten 
befnemdliche an diesem Ibeuroner Styl. - 
v . , ,Sowie wir uns dem Gebiete der Seen nähern, nehmen in allenSamm- 
lungen die Pfahlbauerngeräthe einen beträchtlichen Raumrein. Wer nicht 
Specialist ist qden werden will, kann sich mit diesem Zweige im Rosgurten- 
Museum zu Konstanz abfinden. In guter Ordnung findet man da bei; 
sammenm l,w'as_ am- badischen Ufer des Bodensees an Stein-, Knoqhenü 
Bronzearbeiten ausgegraben worden ist, und daneben, immer zur Ver- 
gleichung Correspondirendes aus der Schweiz, Südamerika etc. Dassattch 
Glas gefunden Eworden ist, scheint die jetzt viele Anhänger zählendql-Iypo, 
these {enden "antiken Hausirernn zu unterstützen, welche die Laden. 
hüter der römischen Fabriken zu den Barbaren jenseits der Alpen gebracht 
haben sollen. , _ 4 '- 
l, Den- übrigen Abtheilungeu des Rosgarteit-Museums sieht man wqhl 
an ldassZufall und Schenkung das Meiste zusammengeführt. haben; rdie 
St V hat Schuldem, sagte ein. die Münzsammlung- ordnenderLl-lerr, und 
die müssen gezahlt werden, bevor man etwas Entbehrliches anschaffta, 
19h Flfisllte d_abei„ wie viel Gutes für das Geld hätte angeschalTt werden 
können, welches die Ansmalung des Concilssaales gekostet haben mag! 
Vertreten ist so ziemlich alles, was überhaupt gesammelt wird, von 

	        

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