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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 243)

Anticaglien, ist bekannt; die schwächste Partie sind die Gemälde; in der 
Mitte stehen. die Möbel, Gobelins, limailen, Thonarbeiten u. a. m. aus 
christlicher Zeit. Diese nicht sehr umfangreiche Abtheilung bekundet. wie 
die der Antiken, durchweg einen kenntnissreichen und geschmackvollen 
Sammler, der nicht sammelte um zu sammeln, hingegen über die Mittel 
verfügte, um jede gute Gelegenheit zu benützen. Unter den mancherlei 
Seltenheiten mag das Porzellan aus der gegen Ende des vorigen Jahr- 
hunderts gegründeten Fabrik zu Nyon im Waadtland erwähnt werden, 
welches kennen zu lernen man sonst nicht leicht Gelegenheit hat. 
Mehr locales Gepräge haben wieder die Sammlungen in Bern und 
Luzern. Während das nunmehr in das Historische Museum einbezogene 
Antiquarium der Bundesstadt reich an römischen und prähistorischen 
Bronzen und Terracotten etc. ist, imponirt die gesondert aufgestellte Ab- 
theilung der mittelalterlichen und späteren Sachen (Besitzthümer der 
Einwohnergemeinde, der Burgergemeinde, des Staates Bern und ver- 
schiedener Privatleute) vor Allem durch die burgundischen Beutestücke, 
die herrlichen und wunderbar erhaltenen Rukkelaken mit Scenen aus der 
Geschichte Caesars, Trajans, der Legende vom Herkinbaldus etc., den 
Feldaltar Karls des Kühnen u. a. m. Besonders zahlreich sind dort die 
Nachzügler der Glasmalerei, die Scheiben mit theils matter theils glän- 
zender Schleifung, Medaillons etc. aus der Mitte des vorigen Jahr- 
hunderts. Stattliche Schultheißensessel finden wir dort wie in Luzern, 
dessen Historisch kunstgewerbliches Museum uns mannigfache Aus- 
beute gewährtc: schöne Kachelöfen aus dem vierzehnten bis sechzehnten 
Jahrhundert, geschnitzte Minnekästchen (z. B. mit der einen Löwen an 
der Kette führenden Braut), gravirte und geätzte Harnische, auf denen 
die Gestalt eines betenden Kriegers öfter vorkommt, Schweizergarden- 
Uniformen, sowohl päpstliche als französische u. s. w., vornehmlich aber 
herrliche große Widmungsscheiben mit Wappen von r6o6 und später. 
Eine große Scheibe von 167i mit von Wappen eingefasster Contrnfactur 
der Hoch Löblichen Statt Lucern, vergegenwärtigt uns bereits den Verfall 
der Glasmalerei; sie ist ganz in Schwarz ausgeführt, nur im Haupt- 
wappen, Luzern, ist der Schild zur Hälfte blau tingirt. 
Das Gewerbemuseum in Zürich, provisorisch in der vom Mittel- 
punkt der Stadt ziemlich entfernten Vorstadt Selnau untergebracht, und 
das gleichnamige Institut in Winterthur sind neue Schöpfungen und 
enthalten Altes und Modernes in bunter Mischung. Der Stolz des züricher 
Museums ist das ganz vollständige Seidenhof-Zimmer mit prächtiger Ver- 
täfelung und Ofen, aber auch andere einheimische Arbeiten, Schränke, 
eiserne Beschläge, Thürklopfer, Oblateneisen u. dgl. m. sind schon in 
ziemlicher Anzahl vorhanden. In Winterthur, der Heimat der berühmten 
Familie Pfau, dominiren natürlich Oefen und Oefenbestandtheile. Unge- 
wöhnlich ist der unten fünfeckige, mit stumpfem Winkel in das Zimmer 
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