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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 1)

geächteten Rudolf von Balm. Die seitdem durchgeführten Ausgrabungen haben das 
Mauerwerk so weit bloßgelegt, dass der Plan ziemlich vollständig festgestellt werden 
konnte und es kamen dabei zahlreiche romanische Bauornamente, glasirte Fließen, Bruch- 
stücke von Glasgemalden in der Bleifassung, Thon- und Bronzegefaße, Waffen. Werk- 
zeuge u. A. m. zum Vorscheine. Die Mehrzahl dieser Funde ist in das Historische Museum 
von Bern übergegangen. B. 
i! 
Palast-Architektur von Oberitalien und Toscana vom XV.-XVll. Jahr- 
hundert. Toscana. - Mit Unterstützung des königl. preuß. Mini- 
steriums für Handel und öffentliche Arbeiten herausgegeben von J. C. 
Raschdorff. Berlin, Ernst Wasmuth. Liefg. t. Fol. 
Auf 20 Tafeln gibt diese erste Lieferung obigen Werkes theils in Maßaufnahmen, 
theils in Lichtdrucken nach der Natur verschiedene Bauten aus Florenz, Siena und 
Pienza wieder, mit Hinzufügung von Details der architektonischen Gliederung und der 
farbigen Decoration. Es sind auf die eine oder andere Art mit mehr oder weniger Prä- 
cision wiedergegeben: der Palazzo Strozzi, die Treppe Michelangelcfs aus der eLiLlfßn- 
Zianaa, ein Theil der Facade der Ufftzien, die Villa Careggi, der Mercato nuovo, Hof 
und Halle der lnnoceuti und ein Fenster des Palazzo Pitti, sämmtlich in Florenz; ferner 
Palazzo Nerucci in Siena und ein Facadendetail des Palazzo Piccolomini in Pienza. 
Die Maßaufnahmen sind von verschiedenen Architekten, von welchen leider schon 
zwei ein frühzeitiger Tod ereilt hat. Es sind dies der geniale Gnauth und Widmann, 
sein talentirter Schüler, der im vergangenen Frühjahre auf einer Studienreise in Spanien 
der Cholera erlegen ist. 
Die Ausstattung des Werkes ist eine würdige; hervorzuheben sind die Chromo- 
lithographicn, welche dem lithographischen Institute von W. Greve in Berlin entstammen. 
H-e. 
a- 
Die Bildwerke an der Erzthüre des Augsburger Domes. Von Joh. Merz. 
Mit zwei Tafeln. Stuttgart, J. F. Steinkopf, 1885. 8". 
Das vorliegende Schriftchen versucht Entstehungsart und ursprünglichen Zustand 
des Kunstwerkes zu bestimmen, die einzelnen Bilder zu erklären, daraus Bedeutung und 
XGrundgedanken der Darstellung abzuleiten, bespricht endlich den Styl des Denkmales 
und kommt bei der Frage nach dem Urheber desselben wenigstens zur Feststellung des 
Entstehungsortes. Die Anordnung und der Bestand der Bildtafeln, wie wir sie jetzt an 
der Thüre sehen, ist nicht ursprünglich. Der Dom besaß ehedem zwei gleiche, einander 
entsprechende Erzthüren, welche beim Umbaue beschädigt wurden; aus den intact 
gebliebenen Theilcn stellte man in der Folge die "schone portenu zusammen, wie die 
auf uns gekommene Thüre von einem Chronisten genannt wird. Ihre Entstehung fallt 
in die Jahre 1060-1063. Die Bildwerke sind (nach dem Vorgange Springefs bei der 
Erklärung der goldenen Pforte zu Freiberg) typologisch zu deuten: Der Grundgedanke 
sammtlicher Scenen ist die Darstellung der necclesia: u. zw. die Entstehung der 
Kirche, ihr Zustand in der Zeit, ihre letzte Vollendung. Die Untersuchung des Styls 
ergibt, dass unser Kunstwerk als Denkmal einer besonderen Schule zu gelten hat, denn 
die technische Behandlung scheidet es sowohl von den unter byzantinischer Einwirkung 
stehenden Werken, als z. B. von der (1007 angefertigten) Mainzer Thüre, welche deutlich 
dem karolingischen Typus folgt. Es ist eine das Studium der Antike (u. zw. ihrer 
Kleinkunst) erneuernde Kunstrichtung, welche wir hier ihren Anfang nehmen sehen. 
Der Künstler ist nicht ausfindig zu machen; mehrere Momente weisen aber auf Augs- 
burg selbst, als die Werkstätte des Denkmales. Die Abhandlung ist schlicht und über- 
zeugend geschrieben und macht auch dort, wo sie sich nur in Vermuthungemergeht, 
den Eindruck, auf richtigerer Fährte zu sein, als die gleichnamige Arbeit von Allioli. 
E. L. 
e 
Die Apokalypse in den Bilderhandschriften des Mittelalters. Eine kunst- 
geschichtliche Untersuchung von Th. Frimmel. Wien x885, C. Ge- 
rold's Sohn. 8". 
ln der Einleitung unterrichtet uns der Verf. über die häufige und mannigfache 
Verwendung, welche die Apokalypse in der Kunst von der altchristlichcn Zeit an durch 
das ganze Mittelalter und die Neuzeit bis auf unsere Tage gefunden hat. ln Anbetracht 
dieses außerordentlichen Stollreichthumcs beschränkte er sich in dieser Studie lediglich
	        

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