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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 11)

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Motiven der Maureske beizuordnen, dass die vollendete Harmonie der 
Gesammterscheinung nicht im Geringsten alterirt wurde. 
Den größten Theil seiner hinterlassenen Arbeiten erwarb Jacob 
Hoffmann, Goldschmied zu Nürnberg. Soll dieser etwa die Zeichnungen 
Flötner's weiter verkauft haben, oder wanderte ein Theil direct nach dem 
Auslande? _Drei Jahre nach des Künstlers Tode erschien zu Zürich in 
40 Tafeln auf 20 Blättern die Folge Flötnefscher Mauresken, x85 an 
der Zahl, welche in unserer Zeit als Festausgabe bei Gelegenheit der Er- 
Öffnung des Berliner Gewerbemuseums republicirt wurde. 
Zehn Jahre nachdem diese Ausgabe rby Rudolf Wyssenbach Form- 
schnyderc im Jahre 1548 herauskam, erschien bei dern Züricher Buch- 
drucker Andreas Gessner der Foliobandt Imperatorum romanorurn etc. 
verissimae imagines, in welchem die Mauresken Flötner's der Wyssen- 
bach'schen Ausgabe als Zierleisten und Schlussstücke abgedruckt waren. 
So kamen sie erst nach des Künstlers Tode in der Fremde zur Geltung 
In die Fremde gezogen, gleichfalls nach der Schweiz, zuerst nach 
Luzern, später nach Basel, war einige Jahrzehnte früher Deutschlands 
größter Reforrnator auf dem Gebiete der Ornarnentik, Hans Holbein 
der Jüngere, geboren zu Augsburg 1495. 
Doch in der Schweiz konnte trotz unermüdlicher Thätigkeit die über- 
reiche Gestaltungskraft dieses unvergleichlichen Mannes nicht zur vollen 
Bethätigung gelangen. Dem reichen Genie fehlte es an reichen Auftrag- 
gebern. Wir sehen ihn nach England an den Hof des Königes ziehen und 
ihn, den Hauptmeister der deutschen Hochrenaissance, fern von seinem 
Vaterlande, die unübersehbare Reihe von Meisterwerken schaffen, welche 
in dem Lande niemals hätten entstehen können, wo vielleicht die Be- 
stellung des von dem Künstler gemalten Aushängeschildes eines Schul- 
meisters eine ihm hochwillkommene war; oder in seiner Vaterstadt, wo 
der ältere Holbein, wie es in einer zu St. Moritz-in Augsburg vorhandenen 
Rechnung heißt: vauf sein gross clagen vnd anruEenu erst eine größere 
a conto-Zahlung im Betrage von H. 27 zugesprochen erhielt. 
So entstanden denn die herrlichen holbeinischeu Entwürfe von 
Kostbarkeiten, viele davon mit Mauresken verziert, auch erst in England; 
heute noch einen Schatz bildend, hinreichend, um einer Generation von 
Künstlern die Impulse zu umwälzenden Reformen ihrer Leistungen zu 
geben. 
Unter Holbein's Händen erfuhr die Maureske neue Bereicherungen 
der Einzelformen und Ausdehnung ihrer Anwendung. Die rnauresken 
Ranken zeigen jene, nur bei Holbein zu findende gesunde Fülle, welche 
bei aller Zartheit der Gestaltung nicht den leisesten Gedanken an Schwäch- 
lichkeit aufkommen lässt. Ein mustergiltiges Beispiel mauresker Flächen- 
decoration zeigt unter anderen der Entwurf des Pocals der Lady Jane 
Seymour, der unglücklichen Gemahlin des Königs Heinrich VIII.
	        

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