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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 1)

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(Besuch des Museums.) Die Sammlungen des Museums wurden im Monate 
December von 4238!, die Bibliothek von 3x33 und die Vorlesungen von 466 Per- 
sonen besucht. 
(Neu ausgestellt.) Drei Pocale, sechs Schalen und ein StreulüHel aus dem Lüne- 
burger Silberschatze, Galvanoplastik; - Crucifix von A. Eisenhoit, Galvanoplastik; - 
silberne emaillirte und Muschel-Armbänder, silberner Pocal, silbertauschirte Hukah und 
PfeEerbüchse, modern indisch (Saal I); - indische Thongefäße (Saal II). - In der im 
Juni zur bleibenden Ausstellung gelangten l. Serie der Sammlung alter Holzsculpturen, 
Eigenthum des Herrn Alexander Posonyi in Wien, wurden vier weitere interessante 
Arbeiten in Buchs ausgestellt. 
In die Weihnachts-Ansstellung wurde neu aufgenommen: Ehrendiplom für Se. 
Excellenz Baron Fedor Nicolits, gewidmet von dem Museum in Serajevo seinem 
Gründer. 
(Vorlesungen) Am 18. November hielt Prof. Dr. Wilh. Neuman n einen Vortrag 
über die Geschichte des Kelches, dessen Inhalt wir in einer der folgenden Nummern 
ausführlich mittheilen werden. 
Am 25. November sprach Oberbaurath Freiherr v. Schmidt über nDas Wesen 
und die Bedeutung der kirchlichen Kunstu. In großen Zügen legte er die Geschichte 
der religiösen Kunst von der Antike bis heute dar; das Detail kaum streifend zeichnete 
er das Bild, es hie und da durch scharfe Gedankenblitze Iaufhellend. Die griechische 
Kunst sei eine wahrhaft religiose gewesen, das ganze Leben der Griechen komme in 
ihren Cultusbauten zum Ausdrucke, sie habe das höchste Ideal verkörpert und ihre 
zeugende Kraft sei so groß gewesen, dass sie Alles überstrahlt, was jemals künstlerisch 
geschaffen worden sei. Die Kunst der Römer dagegen sei keine ideale gewesen, sondern 
eine vollstandig reale, sie stelle auch im roßen Sinne die reale Welt dar und bringe 
neue Constructinnen. Als diese Kunst in gfrümmer zerfallen, beginne die eigentliche 
Epoche der kirchlichen Kunst, die anfangs zu ihrem Ausdrucke die römischen Formen 
benützt, später aber als romanische Kunst den Aufgang und den Anfang einer neuen 
Kunst bedeutet; der Romanismus, von erhabener Schönheit im Großen und Ganzen, 
zugleich der Höhepunkt kirchlicher Machtfülle und Herrlichkeit, sei der eigentlichste 
Kirchenstyl gewesen ; seine constructive Bedeutung aber sei eine verhältnissmaßig geringe. 
Im 13. Jahrhunderte wird das decorative System des Romanismus verlassen und an (seine 
Stelle tritt der Spitzbogenstyl oder der gothische, welcher eminent constructiv, demo- 
kratisch, ja in dem Sinne profan genannt werden dürfe, dass er im Kern auf bürger- 
licher Gesinnung beruhe; dieser Styl fuße auf demokratischem Principe, trotzdem er 
immer treu der Kirche gedient habe; zuletzt sei dieser Styl in das Handwerk über- 
gegangen, und zwar in ein tüchtiges Handwerk, das aber doch so sehr in Wiederholungen 
sich gefiel, dass die Menschen sich naturgemäß davon abwendeten und die Wieder- 
belebung der Antike durch die Hochrenaissance mit Begeisterung begrüßten. Die Re- 
naissance aber sei eine aristokratische Kunst gewesen, welche auch als eine individuelle 
bezeichnet werden könne, da sie von Stadt zu Stadt eine andere gewesen sei; sie habe 
der Kirche gedient, aber nicht blos dieser, und in der Barocke sei diese Kunst so ge- 
artet, dass in vielen Fallen das Kirchliche mit dern Palastartigen in einer Weise sich 
mengt, dass es kaum von einander zu unterscheiden ist. Zu den Wunderwerken der 
Malerei und Plastik der Renaissancezeit übergehend, betont der Redner, dass bei Be- 
trachtung derselben die Schwierigkeit zu Tage trete, welche für den kirchlichen Künstler 
entstehe, wenn er zugleich formvollendet-und religiös in seinen Gebilden sein wolle; 
nur den Heroen der Kunst sei es gelungen, göttliche Personiücationen ohne Nimbus 
und Attribute weihevoll darzustellen. Wir wollen nicht die hässliche Askese, aber auch 
nicht das sinnlich Reizende in der Kirche. Nur ein Künstler, der reinen Sinnes und 
reinen Herzens sei, konne für die Kirche schaEen, deren hohe Bedeutung selbst die, wie 
ihm dünke, gar nicht religiösen römischen Imperatoren durch ihre Tempelbauten aner- 
kannt hatten. Dass wir keinen originellen Kirchenbau haben können, sei darin begründet, 
dass für uns nur ein Gemeinsames bestehe: die Negation, die Aufgabe der Architektur 
auf dein Gebiete des Kirchenbaues sei in den vorhandenen Formen weiter zu schaffen.
	        

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