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Objekt: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 153)

Nach vor dem Einzug ins Winterquartier er- 
probt der neue Oberkommandierende Villeroy 
auf seine eigenen Kosten die Schwierigkeiten 
einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Eu- 
gen. In seiner Eitelkeit und Prahlsucht rühmt 
er sich immer wieder, Eugen schon bald nach 
seiner Pfeife tanzen zu lassen. Vielleicht gekränkt 
durch diese Prahlereien oder auch einfach über- 
drüssig der langen winterlichen Untätigkeitspe- 
riode, entschließt sich Eugen, bei Cremono einen 
Durchbruch zu wagen, wo Villeroy sein Haupt- 
quartier errichtet hatte. Dank der geheimen Infor- 
mationen des Pfarrers Cazzoli, des Propstes von 
Santa Maria Nuova, gelingt es in der Nacht vom 
31. Jänner auf 1. Februar 1703 einem Trupp von 
400 kaiserlichen Grenadieren, durch einen un- 
terirdischen Tunnel bis ins Herz der Stadt vor- 
zudririgen. Sie öffnen Eugen und seinen Ge- 
nerolen die Stadttore und ermöglichen damit 
den Kaiserlichen einen Einfall, der mit der 
Gefangennahme Villeroys in dessen Palast 
endet. Zwar konnte die Besetzung der Stadt 
nicht lange aufrecht erhalten werden, weil die 
eigene Verstärkung zu spät kam und weil die 
französischen Truppen zahlenmäßig überlegen 
waren, aber der höhnische Triumph und die 
demaralisierende Wirkung dieser Unternehmung 
auf die Feinde brachten nach ihrem Bekanntwer- 
den dem Kaiserreich neue Verbündete ein. Zwei- 
felhaft ist es aber, ab Eugen die Gefangen- 
nohme Villeroys und dessen Ersetzung durch 
Vendöme- der nicht nur sein Cousin war (er war 
der Sohn der Laura Mancini), sondern auch den 
Ruf eines großen Marschalls hatte - einen großen 
Vorteil einbrachte. Auf die Gefangennahme Vil- 
leroys bezieht sich die dritte der hier abge- 
bildeten Münzen (Abb. 3). 
Die drei nachfolgenden Medaillen preisen alle 
den großen Sieg von Höchstädt in Bayern, den 
Prinz Eugen am 13. August 1704 an der Spitze 
der kaiserlichen Truppen im Verein mit dem 
Herzog John Churchill von Marlborough an 
der Spitze der englisch-niederländischen Truppen 
errang. Nach dem Mißlingen des von den beiden 
vereinbarten Plans, die in Flandern stationierten 
Truppen über den Rhein zu verschieben, noch 
bevor die feindlichen Verstärkungstruppen zu 
den französisch-bayrischen Verbänden stoßen, 
vereinigte sich Eugen unerwartet mit Marlbo- 
rough an dem oben erwähnten Ort an der 
Donau. Damit kam er dem Plan der Feinde zu- 
vor, die die schwache Verteidigung des Mark- 
grafen von Baden durchbrechen wollten und 
bis nach Wien vorzudringen hofften. Gemein- 
sam griffen Eugen und der Herzog von Mari- 
borough die vereinten feindlichen Armeen an, 
und nach wechselvollem Kriegsgeschick und har- 
ter, aufreibender Schlacht gelang ihnen der Sieg. 
Nach den fast zwei Jahren der Untätigkeit, von 
denen Eugen als Präsident des Hofkriegsrates 
eines damit zugebracht hatte, das erbärmliche 
und übel zugerichtete kaiserliche Heer zu re- 
organisieren und seinen Cousin Vittorio Amedeo 
ll. von Savoyen als Bündnispartner zu gewinnen, 
richtete dieser große Sieg, erhöht noch durch 
die Gefangennahme Tallards, das Kaiserreich 
wieder auf, drängte den Kurfürsten Max von 
Bayern in seine Schranken zurück und festigte die 
Rheingrenzen. Zum Lobpreis des erfolgreichen 
Bündnisses der zwei Feldherren, das den Sieg 
erst möglich gemocht hatte, prägte der in Amster- 
dam tätige und 1714 in Leiden verstorbene Me- 
dailleur Martin Smeltzing eine Medaille, die Eu- 
gen und Marlbarough in der allegorischen Ge- 
stalt der Diaskuren zeigt (Abb. 4). Auch Brunner 
prägte aus diesem Anlaß in Zusammenarbeit mit 
Georg Friedrich Nürnberger, der als Schöpfer 
des Mottos am Medaillenrand zeichnet, eine Me- 
daille (Abb. 5), während die dritte von Georg 
24 
7 Heinrich Müller. Auf die Befreiung Turins und 
die Besetzung Mailands. Silber, ß 37 mrn, lnv.- 
Nr. DC5777. 
Vorderseite: Büste des Prinzen Eugen. 
Rückseite: Die Fama, das Herzogtum Mailand 
und der Mut bekämpfen Frankreich 
B Martin Brunner. Auf den Sieg bei Oudenaarde. 
Bronze, Q-tß mm, lnv.-Nr. 8975. 
Vorderseite: Die beiden ruhmgekrönten Feld- 
herren Prinz Eugen und Herzog von Mari- 
barough tanzen auf den Leibern der besiegten 
Gallier. 
Rückseite; Viktoria; Trophäe der französischen 
Waffen 
9 Heinrich Müller. Auf den Sieg in Oudenaarde. 
Silber, 0 42 mm, lnv.-Nr. 9317. 
Vorderseite: Die Diaskuren zu Pferde. 
Rückseite: Ansicht der Schlacht 
10 Georg Hautsch. Auf die Schlacht von Malpla- 
uet. Zinn, versilbert, Q 43 mm, lnv.-Nr. 5255. 
Vorderseite: Die Büsten der zwei Feldherren 
Prinz Eugen und Herzog von Marlborough. 
10 
11 
12 
13 
14 
 
Rückseite: DieuntergehendeSonne beleui 
Tal und die Ebene von_Mal_plaquet 
Georg Houtsch. Auf die Siege von 1907 
Q 45 mm, lnv.-Nr. 5779. 
Vorderseite: Die Büsten der beiden Fel 
(s. Abb. 10). 
Rückseite: Auf verschiedenen barocken S 
Ansichten der eroberten Festungen 
Wilhelm Vestner. Auf die Einnahme f 
1713. Silber, ß 43 mm, lnv.-Nr. 5780. 
Vorderseite: Prinz Eugen im Panzer. 
Rückseite: Prinz Eugen mit Lorbeerkranz 
Wilhelm Vestner. Auf die Einnahme B 
Bronze, G 43 mrn, lnv.-Nr. 4781. 
Vorderseite: Büste des Prinzen Eugen. 
(Qüläkseite: Der Prinz zu Pferde vor dem 5 
e 
Heinrich Fuchs. Auf den Frieden von Pass 
Gegossenes Eisen, ß 57 l_'l'lm. lnv.-Nr. 57 
Vorderseite: Büste des_Prinzen Eugen._ 
Rückseite: Der Prinz im Gewande eine 
schen Kriegers am Arm der Fama, von 
begrüßt 

	        

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