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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 4)

Hände und Fuße vorgestreckt, rücklings gegen ein Rad stemmen; inmitten dieser drei 
erhebt sich auf eigener Basis ein Satyr, von dessen Schulter ein Zweig einporwachst, 
der in eine geflügelte, mit Tunika bekleidete weibliche Gestalt ausläuft und über der- 
selben wieder beginnt, um schließlich in einen flachen Teller zu endigen, von dem 
einiger Zierrath herabhangt. Von den Terracotten ist ein trefflich erhaltenes Rhyton- 
gefaß besonders hervorzuheben. Es hat zwei Schauseiten. Die eine zeigt einen meister- 
haft ausgeführten Silen, die andere einen Bacchanten. Im Gesichte des Silen sind Spuren 
von rother Farbe und Vergoldung wahrnehmbar. Außerdem sind neben Gefäßen und 
Scherben von geringerer Bedeutung zwei schöne, glänzend schwarze Krüge und ein 
Salzfass aus etruskisch-campanischer Fabrik zu erwähnen, vor Allem aber noch eine 
kleine, flache Schale von etruskischer Arbeit, in welcher auf schwarzem Grunde gemalt 
ein bärtiger Kopf mit etruskischer Unterschrift erscheint, sowie eine zweite gleiche 
Schale mit gekröntem weiblichen Kopfe und derselben Unterschrift. Außerordentlich reich 
ist der Schmuck dieser vor mehr als zweitausend Jahren bestatteten Dame und durchaus 
vom feinsten Golde. Kopf, Hals, Hände und Kleidung waren prächtig geschmückt und 
nicht, wie dies sonst üblich, nur mit Todtengold, sondern auch mit solchen Kleinoden, 
welche die Lebende ihrer Grazie und Schönheit hinzuzufügen liebte. Ihre I0 Centimeter 
langen Ohrgehange stimmen mit gewissen berühmten, im Museum von Perugia und 
im Britischen Museum aufbewahrten genau überein. Man denke sich einen mit Rosetten 
umkränzten granulirten Mittelscbild, unter welchem die in Schndrkel aufgelösten Rosetten 
einen herrlichen weiblichen Kopf umfassen, mit gleichem Ohr- und Halsschmucke, neben 
diesem Kopfe pendeln beiderseits drei goldene Kettchen mit Anhängseln herab. Ein Haken 
hinter dem Schilde hängt das Ganze in einen Ohrring von der gewöhnlichen Form, der 
in ein Thierköpfchen ausläuft. Sehr schön ist auch das Halsband. Es besteht aus drei 
außerordentlich fein und solide gearbeiteten Ringelketten, die in Schlielfen eintreten, 
welche, mit Zeichnung von Blättern verziert, ihrerseits mit drei Scheiben verbunden 
sind, einer ovalen onyiteingelegten inmitten von zwei kreisrunden mit dem Medusenv 
haupte in getriebener Arbeit verzierten. Drei Ringe schmückten die Hände. Einer von 
einfacher Arbeit aus feinstem Golddrahte schließt einen Onyx in Scarabaenform, aber ohne 
Inschrift ein. Ein anderer ist ein schmuckloses, mit Mastix gefülltes Goldblech, also 
lediglich ein für den Todtencult gefertigter Schmuck. Der dritte Ring ist von Eisen 
und mit Gold überzogen; auf seinem großen Schilde sind zwei nackte Figuren, Mann 
und Weib, jede mit Attributen, Wo und wie die zahlreichen Goldzierrathen, die sich 
sonst noch gefunden haben, angebracht waren, lässt sich auf Grund etruskischcr Bilder 
sagen. Vorerst nennen wir zwanzig Goldbleche, die von Knüpfen herrühren, getriebene 
Arbeit; acht von ihnen ziert das Bild eines weiblichen Kopfes, andere acht eine einfache 
Rose, zwei ein Medusenhaupt, zwei andere ein Silensgesicht. Ferner fand sich ein 
getriebenes Goldblech mit Darstellung einer sitzenden geflügelten Figur in trauernder 
Haltung, vielleicht der Genius des Todes, des Weiteren eine Anzahl wellenförmig begrenzter _ 
Goldbleche von der Art, wie sie auf den Vasen von Panticapaeon (Krim) und auf Bild- 
werken in etruskischen Gräbern an den Kleidern der Dahingeschiedenen gemalt sind, 
z. B. an dem kurzen Aermel nahe der Schulter, auf der Brust u. s. w. Somit bietet der 
Fund von Todi eines der reichsten Beispiele für die von griechischen und römischen 
Autoren erwähnten vestes muratae oder sigillatae (xpuoottdotui ÄUÜQTEQv für welche 
bisher die Goldfunde in den Tumuligrabern von Kertscn und Panticapaeon gezeugtfhaben. 
Zweihundert und mehr Goldscheihchen, die an Röhrchen gelothet sind, dienten wahr- 
scheinlich wie Perlen aufgereiht als Fransen am Todtengewande. Haarfeine Geldfaden, 
die in Menge gefunden worden, waren zweifellos in das Haar der Dahingegangenen ein- 
geHochten. Eine Haarnadel von Elfenbein endigt in einen sehr schönen Widderkopf. 
"Postl. 
(Knnstgewerbemusenm in Japan.) Wie das vHandelsmuseuma mittheilt, soll 
nach Meldung des uJapan Weekly Mail: die Regierung von Japan die Errichtung eines 
Kunstgewerbemuseums in Uyeno in ernstliche Erwägung gezogen haben. 
Berichtigung. Im ll. Hefte c. der uMiuheilungenu S. 284 Zeile 6 von unten soll 
u statt Schönbrunn wHetzendorfw heißen. 
Für die Rednction venntwurllich: J. Falnexic: und F. Ritarr. 
Selbstverlag du k. k. Outerr. Museums für Kunst und Industrie. 
lnnhdrueklrd von cm Gßruhl": Sohn u. m".
	        

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