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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 4)

um; 
Altarbaldachins wie die Kronen und Kronleuchter. Daher mag es auch 
kommen, dass die Lampen in den Handschriften des ll. Jahrhunderts 
(z. B. der Bernward's-Handschrift in Hildesheim), ja dass die Moscheen- 
lampen ganz genau wie die Kelche aussahen; die letzteren beweisen 
durch ihre in Gold und Email aufgetragenen Zeichnungen, dass hier reine 
Uebertragung der Form von Metall auf Glas stattgefunden habe. Der 
Mittelpunkt, von dem aus die Sitte nach Westen und Osten sich ver- 
breitet hat, dürfte wohl Byzanz sein. 
Zu den Zierkelchen dürfte auch eine große Anzahl jener werth- 
vollen Onyxkelche gehören, welche die Schatzkammer von San Marco 
wohl erst seit 1204 (aus dem Raube von Constantinopel) besitzt. Dass 
es keine profanen Kelche sind, zeigen die lnschriften: nTrinket Alle 
daraus, denn das ist mein Blute; dass sie zum Trinken nicht bestimmt 
waren, zeigt das Email, zeigen die Perlenreihen am Oherrande der Cuppa. 
Onyxkelche erscheinen auch im Abendlande (Königin Brunhilt, 6. Jahr- 
hundert; Kelch des Kaisers Heinrich [l., eigentlich ursprünglich eine 
Schale; Onyxkelch des Abtes Luger, Ann. Arch. XIX, 383, 34.3; XXI, 343; 
endlich der Kelch Karl IV. und die sogenannten Hedviligsbecher aus Glas). 
Nicht blos heil. Sprüche trugen die Kelche wie die erwähnten, sondern sie 
gaben und geben noch heute Kunde von dem Geschenkgeber, der seinen 
Namen und Wappen unten am Fuße anfügen lässt; oft standen ganze 
Verse und in zierlicher Art auf den gesprächigen romanischen Kelchen, 
ja manchmal hat der Goldschmied seinen Namen hingesetzt"). Solche 
Kelche heißen literati. Zu ihnen gehört auch der älteste Kelch, den wir 
besitzen, der Tassilokelch von Kremsmünster, auf dessen Fußrand der 
Vers steht: Tassilo dux fortis, Liutpirc virga regalis. 
Der Tassilokelch dürfte seine Erhaltung nicht allein der Pietät 
gegen den Stifter, sondern auch dem Metalle verdanken, aus dem er 
gefertigt ist. Es ist ein mächtiger Kelch, der uns die Form des römischen 
Poculum zeigt, also auf dem Standpunkte der alten christlichen Kelch- 
formen steht. Seine nächsten Verwandten sind in den classische Alter- 
thümer verwahrenden Museen Roms und Neapels zu suchen. Springer 
sucht wegen der longohardisch rohen Zeichnungen und wegen der longo- 
bardischen Schriftzüge neuerdings dieHeimat des Kelches in der Lombardei; 
so viel steht fest, dass die Zopfgeflechte der Verzierung an die nordisch- 
irischen Initialien erinnern, dass die Körperformen gerade wie bei diesen 
zerrissen sind, und dass wir an byzantinische Kunst, trotz der byzan- 
tinischen Weise zu segnen (Christus biegt den Goldlinger ab), und trotz 
der aus dem Oriente stammenden Ageminatechnik mit Niello, zu denken 
') Ein altes Beispiel ist der Kelch vom Kloster Weingarten, geschenkt von Welfl. 
(1- 960), welcher Kunde bringt von einem Goldschmiede Conrad de Husa; ein neueres Bei- 
spiel ist der Melkerkelch, welcher verborgen im Fuße die Worte trägt: Michel Dietrich 
in Wien, X660.
	        

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