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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 11)

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wird jedoch nicht schwer sein zu beweisen, dass jener Schmuck wirklich 
als Gürtel gedient hat, und wir werden damit zugleich einen Typus für 
die Gürtelform des 3. Jahrhunderts gefunden haben.-Vor Allem sträubt 
sich das ästhetische Gefühl dagegen, der dicke, schwere Knoten in der 
Mitte eines festen Reifens hätte seinen Platz an der Kehle gehabt, aber 
auch als Schmuck eines Diademes wäre er sinnlos, da das Haupt bekrönt, 
nicht aber eingeschnürt werden soll, welche Function der Knoten doch 
augenscheinlich versinnlicht. Ein solcher Knoten ist aber bei einem Gürtel, 
dessen Aufgabe es ist, das Gewand festzuhalten und der Expansion des 
Körpers entgegen zu wirken, constructiv vollkommen gerechtfertigt und 
in künstlerischer Beziehung äußerst ausdrucksvoll. Was hätte aber ferner 
der Quastenbehang auf der Stirne zu thun, wo er nicht allein die Augen 
belästigen, sondern auch entschieden unschön wirken würde? Am Gürtel 
dagegen ist ein solcher Behang nicht allein vollkommen am Platze, son- 
dern auch literarisch und durch Denkmule genügend bezeugt"). Endlich 
aber befindet sich an diesem Schmucke zu beiden Seiten des Mittel- 
stückes eine Scharnier, mittelst dessen der Reif geschlossen und geöffnet 
werden kann, was ebenfalls darauf hindeutet, dass dieser Schmuck als 
Gürtel diente. Müssen wir aber an diesem einen Stücke einen Gürtel 
erkennen, so sind es andere ähnliche in der Krim gefundene Schmuck- 
gegenstände mit dem herakleischen Knoten in der Mitte und verschiedenen 
quastenartigen Behängen ebenfalls, denn bei diesen ist an ein Diadem 
gar nicht zu denken, da das eigentliche Band ein Kettengeflecht darstellt, 
wenn sie aber Stephani für Colliers hält, so spricht dagegen die in diesem 
Falle ganz unpassende Verzierung mit dem gordischen Knoten. 
Weitaus nicht dieselbe Mannigfaltigkeit an Formen, welche wir bei 
Ohrgehängen und Halszierden gefunden haben, ist im Alterthume bei 
den Armbändern zu bemerken, obwohl es, wie bereits erwähnt, mehrere 
Arten solchen Schmuckes gab. Um die schwellenden Formen eines weib- 
lichen Oberarmes, sowie den gerundeten Theil des Unterarmes in gefälliger 
Weise zu betonen, liebte man es hier enganschließende Armbänder zu 
tragen, dagegen legte man um das Handgelenk, dessen Zartheit und 
elastische Festigkeit hervorgehoben werden soll, lockeres, gegliedertes 
Ringwerk. Demzufolge haben wir in der Antike zwei Hauptformen von 
Armzier, feste Reifen oder Spiralen für die Weichtheile des Armes und - 
') ln der llias legt Hera einen mit hundert Quasten versehenen Gürtel um, auf 
assyrischen Denkmälern kommen Gürtel mit Quasten vor, bei den Persern sind solche 
Gürtel Abzeichen der Königswürde, und ein bei Caere entdecktes Grab enthielt die 
Reste eines mit drei Quasten versehenen Gürtels. In jenen Fallen, in welchen man die 
Schnur als Gürtel verwendete, waren herabhangende quastenartige Enden etwas sich 
von selbst Ergebendes. Auch sind solche Endigungen sowohl durch zahlreiche Vasen- 
bilder, als auch durch eine Gewandfigur im Museo Borbonico deutlich veranschaulicht. 
Die Uebertragung des Quastenmotives auf goldene Gürtel lag daher nahe, ja in jenem 
Grabe bei Caere wurden goldene Fragmente eines Gürtelbehanges gefunden, die geradezu 
eine geltnotete Schnur imitiren.
	        

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