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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 11)

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Bei den Griechen war es Sitte, dass Jeder einen Ring trug, der als 
Siegel diente und das specielle Symbol des Eigenthiimers, oft eine 
Anspielung auf seinen Namen, eingravirt trug. Ringe mit Inschriften, 
mit einem Glückwunsch an den damit Beschenkten, mit Götterbildern, 
genrehaften Darstellungen, und ganz besonders solche, die als Amulet 
dienten, wurden in sehr großer Zahl gefunden. In der Eremitage befindet 
sich ein Ring, dessen Reif aus Flechten gebildet wird, welche von drei 
Perlenschntiren umgeben sind, und der an Stelle des Schildes zwischen 
zwei beweglichen Scharnieren eine kleine Lampe zeigt. Ein anderer daselbst 
befindlicher Ring hat an Stelle des Schildes eine Sandale und trägt die 
Inschrift rÜEUrtaim; poppig", war also ein Geschenk des Hästiäos an seine 
Mutter. Wir sehen aus diesen zwei Beispielen, dass auch die antike 
Kunst gelegentlich um irgend welcher Beziehungen oder Anspielungen 
willen Gegenstände des gewöhnlichen Lebens in Schmuckform darzustellen 
sich nicht scheute, dass aber im Gegensatze zur modernen Kunstindustrie 
solche Objecte stets sehr klein gebildet und einer künstlerisch gestalteten 
Hauptform untergeordnet werden. Als künstlerisch interessante Formen 
sind endlich jene Ringe zu erwähnen, bei welchen der Schild von zwei 
Figuren, amoretten-, hermen- oder tritonenartig gebildeten Wesen 
gehalten wird; namentlich letztere Bildungen eignen sich vorzüglich zu 
diesem Zwecke, da die beiden in Fischschwänze endigenden Körper sich 
ohne Zwang zu einem Ringe verschlingen. 
In eine dritte Gruppe des Schmuckes gehören nach der Eintheilung 
Setnper's die verschiedenen Arten Nadeln, und zwar in die Gruppe des 
Richtungsschmuckes. Nicht alle Nadeln, wenn sie auch noch so reich 
verziert waren, dienten jedoch blos als Schmuck. In vielen Fällen bildeten 
sie den Ersatz unserer Knöpfe und Heftel und werden auf solche Weise 
Bestandtheile der Kleidung bei Männern und Frauen. Mittelst der Fibula 
wurden die Gewandenden auf der Schulter oder auf der Brust zusammen- 
gehalten, und die seltsame unregelmäßige Form, welche wir in der Regel an 
derselben beobachten, ist eine Folge dieser Verwendung. Der in der Mitte 
sich verdickende, meist kräftig entwickelte Bogen war nothwendig um die 
Falten des Gewandes aufzunehmen, die rechtwinkelig angesetzte Hülse 
aber musste das spitzige Ende der Nadel aufnehmen und bergen. Sämmt- 
liche Arten der Technik, welche wir an den anderen goldenen Schmuck- 
gegenständen beobachtet haben, finden wir auch an den antiken Fibeln 
vertreten, und ganz besonders waren es die Etrusker, welche hier einen 
außerordentlichen Reichthum an Formen und Decorationsarten entfalteten. 
Verschiedener iigürlicher Zierrath, wie Löwen, Sphinxe, Vögel, Masken 
und Aehnliches sind bald auf dem Bügel, bald auf der Schiene angebracht. 
Zierliche Ornamente, Blumen, Rosetten u. dgl. schmücken theils in 
flacher Feligrantechnik, theils gravirt, seltener in erhabener Arbeit die ein- 
fache Grundform. Neben dieser Grundform gibt es aber, namentlich in 
Griechenland, auch jene Formen der Fibula, welche sich unseren Brochen
	        

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