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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 11)

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nähern, und aus einer verzierten Scheibe bestehen, an der rückwärts die 
Nadel befestigt ist. Eine weitere Gattung Gewandnadeln besteht aus 
zwei Theilen, aus zwei parallel gestellten miteinander verbundenen Nadeln 
und aus zwei diesen entsprechenden Hülsen. Es scheint dies eine uralte 
Form zu sein, da sich bereits bei Homer eine Beschreibung Findet, welche 
auf dieselbe hinzudeuten scheint. Beispiele solcher Nadeln haben sich 
bisher aber nur ganz wenige gefunden. Große Freiheit gewährt die 
Decorirung jener Nadeln, welche zur Verzierung des Haupthaares dienten, 
und dem entsprechend hat dieser zierliche Schmuck namentlich in römischer 
Zeit zahlreiche Varianten aufzuweisen. Blüthen und Blumen, reich 
verzierte Knöpfe, kleine Thiere und Thierköpfe aller Art, Götterbilder 
und ganze Gruppen von Figuren, sowie quastenartige Behänge zeigen, 
welch' freie und fruchtbare Phantasie die Antike auch in diesen kleinen, 
nebensächlichen Dingen besaß. 
Ueberblicken wir aber zum Schlusse das besprochene Gebiet, so 
erkennen wir, dass die Form der Schmuckgegenstände in der Regel 
einfach ist, auf dieser Form aber eine ebenso eigenartige als reiche 
Ornamentation sich entwickelt. Diese Eigenart verdankt sie der strengen 
Anlehnung an die durch Technik und Material gegebenen Motive. Eine 
consequente Entwickelung aus sich selbst heraus, Hand in Hand mit dem 
feinsten Verständnisse für innere Gesetzmäßigkeit, ist es, welche wir am 
meisten am antiken Schmuck bewundern müssen. Maß und Reichthum 
stehen in voller Harmonie, weder verworrene noch kahle Stellen beleidigen 
das Auge. Die Details sind leicht und drücken nie auf die Gesammt- 
composition. In sicherer Führung ergießen sie sich über das Object, 
das sie bereichern, dessen Form sie accentuiren, ohne ihr jemals zu wider- 
sprechen. So empfangen wir auch hier auf verhältnissmäßig bewegtem 
Gebiete das Bild einer mit der gesammten Cultur des Alterthumes in 
lebendigster Wechselwirkung stehenden schöpferischen Kunstthätigkeit. 
Ja wir sehen, dass auch dieses Gebiet der antiken Kunst nicht als etwas 
Abgestorbenes und längst Vergangenes hinter uns liegt, sondern vielmehr 
heute noch in technischer, wie in formeller Beziehung seine normirende 
Bedeutung für uns hat. 
Angelegenheiten des Oesterr. Museums und der mit 
demselben verbundenen Institute. 
(S6. MBJSStät der Kaiser) hat das Museum Freitag den 2:. Oc- 
tober mit Allerhöchst Seinem Besuche beehrt. Der Monarch erschien 
Mittags 1 Uhr und verweilte länger als eine Stunde. Vom Director Hof- 
rath v. Falke empfangen, und zunächst zu der Ausstellung der Ge- 
schenke für Papst Leo Xlll. geleitet, wurde Se. Majestät hier von den 
versammelten Erzbischöfen und Bischöfen, sowie von dem Comite dieser 
Jahrg. 1887. 13
	        

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