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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 2)

zwei Schmalbilder ein: sitzende Frauen mit entblößtem Oberkörper, 
einen Hasen auf dem Knie, vor ihnen Hermen oder Statuen. Der Cyklus 
der Schlafgemachscenen setzt sich in den Zimmern z und 5 weiter fort. 
Die Zärtlichkeit der Liebespaare ist verschieden nuancirt. Das Bild auf 
Tafel VIII. r kann füglich "Vor der Brautnachtu benannt werden; die Neu- 
vermählte, nachdenklich-selig, halbträurnerisch, sitzt am Rand des Bettes 
noch im bräutlichen Schleier: wir finden uns beiläufig an dieAldobrandinische 
Hochzeit gemahnt. In den folgenden Bildern (Tafel VIII. z, 3,4) spricht 
sich die trauliche Genossenschaft mit Anmuth aus; sehr schön ist das 
Hinüberlangen der weiblichen Gestalt über das Haupt des Geliebten auf 
Bild 4, indess eine Sclavin jener die Sandalen vom Fuße löst. Ob dies 
nur Libertinen sind, die in der wArs amandiu geschult, mit ihren vornehmen 
Liebhabern gefällig verkehren? Wohl möglich! Fast könnten diese Bilder 
als Illustrationen zu den liebedurchglühten Elegien des Properz an 
Cynthia genommen werden. . . . Den Abschluss bildet dann wieder ein 
ruhig vertrauliches Gespräch zwischen Eheleuten vor der Nachtruhe, ein 
mildes Schauen Aug' in Auge, doch ohne eigentliche erotische Leiden- 
schaft. (Tafel Vlll. 5.) Die Dienerin, welche noch ihr letztes Tages- 
geschäft besorgt und aus schön geneigter Vase in eine Schüssel Wasser 
gießt, vervollständigt mit zwei weiteren Nebenfiguren in anziehender 
Weise die häusliche Gruppe. - 
(Fortsetzung folgt.) 
Die Schmuckformen der Renaissance. 
Von J. Folnesics. 
(Schluss.) 
Neben dem Gürtel und der Halskette mit ihrem Anhänger bildete 
eine dritte, eigenthümliche Schmuckgattung einen wesentlichen Bestand- 
theil der Prachtcostüme der Renaissance, es ist der Schmuck der Kopf- 
bedeckung bei Männern und Frauen. So wie die Entstehung des An- 
hängers ist auch die des Hutschmuckes auf religiöse Motive zurück- 
zuführen, und lässt sich weit über das 15. Jahrhundert zurück verfolgen. 
Namentlich an Wallfahrtsorten wurden solche Abzeichen, die man als 
Schutzmittel gegen die verschiedensten Uebel ansah, in großen Mengen 
verkauft. Es waren dies natürlich durchwegs Heiligen- oder Madonnen- 
figuren, oder sonstige Bildnisse religiöser Verehrung. Auch stand deren 
künstlerischer Werth nicht hoch; im besten Falle waren es in Gold 
oder Silber getriebene Reliefdarstellungen. Nun aber verlor dieser Ge- 
genstand seinen religiösen Charakter, selbst dann, wenn er noch ab 
und zu mit christlichen Gebräuchen in Verbindung stand. Man fertigte
	        

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