MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 2)

Charlotte Blauensteiner 
Jugend gestaltet 
Eine Sonderschau bei" der Internationalen Handwerks- 
messe in München 
Zum 6. Mal war bei der diesjährigen Internationalen 
Handwerksmesse in München die Sonderschau 
iiJugend gestaltetk zu sehen. ln der Halle 5, wo auch 
nochdie InternationaleSchmuckschau gezeigt wird, ist 
diese Ausstellung in die EXEMPLA integriert - aus die- 
ser ist sie seinerzeit auch wherausgewachsenit. Die 
EXEMPLAzeigt seit 1970 Handwerk in seineraktuellen 
Bedeutung und in den verschiedensten Ausdrucksfor- 
men. Die ldee und Realisierung. vorallem aberdas hohe 
Niveau, waren durch all diese Jahre Fritz Gotthelf zu 
verdanken; nach seinem plötzlichen Tod ist nun Peter 
Nickl - zusammen mit Heidi Howcroft - verantwort- 
lich. DieThematik stimmte heuerbesonders gutzusam- 
men, denn in der EXEMPLA hieß sie vAltes Handwerk in 
jungen Händenlr und zeigte traditionelle Techniken - 
von der Korbtlechterei bis zur Putztechnik, vom Pflaste- 
rer bis zum Hersteller von Buntpapier - wie sie von der 
jungen Generation weitergeführt und ausgebaut wer- 
den. 
wJugend gestaltetlr hatte in diesem Rahmen immer 
schon eine Sonderstellung. So sehr auch die handwerk- 
liche Basis als unerläßlich empfunden wurde, lag bei 
dieser Sonderschau der Schwerpunkt doch immer auf 
"Gestaltungix. Kunsthandwerk also, wenn man diese 
Bezeichnung im ursprünglichen, guten Sinn verwenden 
kann - und das sollte man tun, allen verbalen und gei- 
stigen Mißbräuchen zum Trotz. 
DieAltersgrenzewurdemitSOJahrenfestgelegt- rela- 
tiv hoch, wie immer wieder festgestellt wird; aber es 
zeigt sich, daß unter dieser Grenze kaum die entspre- 
chende Ausbildung vollendet und eine eigene Persön- 
lichkeit entwickelt ist. 
iiJugend gestaltettt ist international - in diesem Jahr 
waren 11 Länder beteiligt (Belgien, Bundesrepublik 
Deutschland, CSSFt, DDR, Finnland, Großbritannien! 
Schottland, Italien. Niederlande. Österreich. Polen und 
Schweiz). International besetzt ist auch die Jury, die in 
jedem Jahr Preise vergibt, die aus einer Urkunde und 
einer Kleinskulptur bestehen. 
Wichtiger als diese Kennzeichnungen und Auszeich- 
nungen ist aber wohl, daß junge Menschen ein Forum 
der Öffentlichkeit finden, wie sie es sich selbst doch 
nicht so leicht schaffen können. 300,000 bis 400.000 
Menschen strömen jährlich durch die Hallen, und wenn 
auch nur ein relativ kleiner Teil dies offenen Auges tut, 
bringt es doch fürdie Kunsthandwerkereine Konfronta- 
tion mildem Publikum, für die Besucher aber einen oft 
unbewußlen Anstoß zur Auseinandersetzung mit 
Gestaltung, Material, Form. Der immer sorgfältig und 
meist unter großem Zeitdruck gemachte Katalog ist für 
die Jungen eine weitere dokumentarische Veranke- 
rung. 
1985 waren verschiedene Veränderungen bei den mit 
der Vorbereitung befaßten Institutionen vorgegangen. 
Vielleicht bahnen sich deshalb auch bei den Exponaten 
Änderungen an; dem unvoreingenommenen Betrach- 
ler scheint es aber, daß dieAndersartigkeitjeweiis doch 
eher mit den Persönlichkeiten der Künstler hervortritt 
- die großen Zusammenhänge werden wohl erst spä- 
terablesbarsein. DieAusstellung ist sehrübersichtlich, 
die Präsentation zurückhaltend, die Qualität überwie- 
gend sehr gut. Man erwartet dort nicht Perfektion (den- 
noch ist sie oft vorhanden), sondern Experimentier- 
treude, nichtdie Ergebnisse langer Erfahrung, sondern 
O11 
l Jacqueline MeinemalNiederlande. Tragbares Blatlerorna- 
ment (Preisträgerin) 
2 Simon MoorelGroßbritannien. Teller, Kristallglas, frei gebla- 
sen (Preistrager) 
3 Judith FlataitzlÖsterreicn. 3 Kannen, 1984 Feinsteinzeug, 
Plattentechnik __ 
4 Veronika HauslholerlOsterreich, Dekorstolf 
5 Karin HerberlÖsterreich. Gobelin 

	        
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