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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 2)

mochte jedenfalls frappant wirken; in der Mitte, nach rückwärts gestellt, 
der ernste schwarze Salon, zu beiden Seiten die schmalen, eleganten 
Boudoirs mit dem Zinnoberroth ihrer Wandspiegel. Die Hinterwände 
dieser Nebengemächer, für die decorative Schauwirkung mit dem hervor- 
leuchtenden Mittelbild sehr glücklich calculirtf, gaben ohne Zweifel eine 
gute, beiderseits correspondirende Prospectwirkung. Vorhänge statt der 
Thürßügel - wie wir jene in die pompejanischen Decorationen mit hin- 
eingemalt finden - konnten den perspectivischen EEect nach Wunsch 
theilen und isoliren, oder wenn sie völlig auseinandergezogen wurden, 
den Glanz der ganzen, farbig belebten Raumeswirkung der Augenweide 
darbieten. R. Lanciani und Adolf Mau nehmen an, dass die beiden 
Piecen 2 und 4 mit jenen Tonnengewölben überdeckt waren, von denen 
sich Bruchstücke mit den köstlichen Stucco-Reliefs vorgefunden haben. 
Ich kann mich von dieser Zusammengehörigkeit nicht wohl überzeugen, 
und komme später auf den fraglichen Punkt zurück. 
Die Dimensionen sind bescheiden, wie dies überhaupt bei den Wohne 
räumen dieser Epoche die Regel ist. Die beiden Zimmer 2 und 4 - 
eigentlich nur Cabinete - haben etwas über 4'5o Meter Länge bei 
2'3o Meter Breite; der schwarze Salon (3) ist 8.50 Meter lang und 
4 Meter breit. Die Höhe ist nicht mehr mit Sicherheit bestimmbar. 
ln der Detailbeschreibung beginne ich, damit uns eine Steigerung 
in der Prüfung des Eindrucks vorbehalten bleibe, mit dem im decora- 
tiven Werth um etwas geringeren Zirnmerq. "), welches A. Mau - ebenso 
auch das Zimmer z -- für ein Schlafgemach ansieht"). Pilaster, die 
bis zum obersten Wandabschluss reichen, mit einem zarten, ornamen- 
talen Linienspiel im Schaft, sollen die Scheidung der kleinen inneren 
Abtheilung, in welcher die Bettstelle angenommen wird, von übrigem 
Raum des Gemaches markiren. Immerhin erscheint jenes Adyton auch 
decorativ bevorzugt. 
Die Hinterwand (Mon. ined. Vol. XII, tav. XVII) charakterisirt 
sich hier (und ebenso in den weiter zu beschreibenden Räumen 2 und 5) 
durch eine entschieden centrale Composition. Ein bedeutsam hervor- 
gehobenes bMittelstück scheidet sich in klarster architektonischer Son- 
derung von den Seitentheilen der Wand. Es ist seiner Anordnung nach 
ein Bildtabernakel zwischen Säulen. Der Sockel verkröpft sich 
energisch mit architektonisch ausgesprochenen Untergliederungen. Die 
Säulen zu beiden Seiten des Mittelbildes - es stellt einen Opfergang 
') Siehe: nMonux-nenti inedili. pubblicati dulP instiluto di corrispondenzx nrcheo- 
1051m.- Vol. x11, m. va, v1, vn, vm, VIII, xvn. 
"V) Vergl. in den nAnnuli delP instituto di corrispondenza archeolugica- Vol. LVI, 
Jahrg. 1834, den Artikel von A. Muuz" Pinura della cnsa anticu scopern nella villn Fur- 
nesinn, S. 303; dazu in seinem Buch: Geschichte der decurativen Wandmnlerei in Pom- 
peji (1882) das Capitel 18, Seim 2x5.
	        

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