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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 7)

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Hausindustrie benannte, verdient lediglich die Bezeichnung des Haus- 
fleißes. Seither ist allerdings darin hie und da eine Aenderung ein- 
getreten. Um nämlich dem fortschreitenden Aussterben der häuslichen 
Textilarbeit einigermaßen vorzubeugen, hat die ungarische Staatsregierung 
stellenweise eingegrißen und an Stelle des alten Hausßeißes eine wirk- 
liche primäre Hausindustrie zu schaffen gesucht, wie z. B. diejenige von 
Bekes Csaba, deren Erzeugnisse auf mehreren Ausstellungen des Oesterr. 
Museums zu sehen waren. Daneben ist aber namentlich in Siebenbürgen 
der Hausfleiß noch in Pflege geblieben und es sei hier gleich eingeschaltet, 
dass für den Historiker die moderne Production auf diesem Gebiete nur 
insoferne von Belang ist, als sie unmittelbar und ohne künstliche Ver- 
knüpfung sich an die frühere Uebung anschließt, was fast nur an den 
Leistungen des Hauslleißes noch der Fall ist. Von der Bezeichnung 
nnationale Hausindustrieu muss also vor Allem die vHausindustrieu ge- 
strichen und durch das Wort vHausHeiß-ir ersetzt werden. Was ferner 
das Adjectiv "nationale anbelangt, so hat man damit bisher ziemlich 
allgemein den Begriff verbunden, dass die bei einer bestimmten Nation 
vorfindlichen Formen der sogenannten textilen Hausindustrie als ein nur 
dieser Nation eigenthümliches, von Urvätern ererbtes Gut - namentlich 
der slavischen Völkerstämme - zu gelten hätten. Nun ist allerdings nicht 
zu leugnen, dass die bezüglichen Erzeugnisse der einzelnen Völkerstämme 
gewisse particulare Eigenthümlichkeiten aufweisen, die immerhin in ge- 
wissem Sinne als national bezeichnet werden könnten. Es bleibt aber zu 
untersuchen, ob hieraus auch der Schluss auf einen oder mehrere natio- 
nale Urstile gezogen werden darf und aus welchen Wurzeln überhaupt 
dieser historische Zweig der Textilkunst abzuleiten sein wird? 
Gegenstände der sogenannten nationalen Hausindustrie sind vor- 
wiegend Weberei, Stickerei, Wirkerei und Spitzenklöppelei. Als Rohstoff 
wurde bis in unser Jahrhundert hauptsächlich Flachs- oder Hanfleinen 
verwendet, da es doch zum Wesen des Hauslieißes gehört, dass er wo- 
möglich auch den Rohstoff sich selber beschaHt. Die importirte Baum- 
wolle gewann gewiss erst in neuerer Zeit ausgedehntere Anwendung. 
Ferner gebrauchte man seit jeher für die Herstellung von Oberkleidern 
und Decken die selbstgesponnene Wolle der selbstgezüchteten Schafe. 
Der textile Hausfieiß war und ist also -- kunstgewerhlich betrachtet -- 
vorwiegend der Verzierung zweier Gruppen von Textilproducten gewidmet: 
der Leinenwäsche und der WollstoHe. 
Das Leinen erscheint sowohl innerhalb der Textur durch Weben, 
als auch durch nachträglich darauf gearbeitete Stickerei verziert. Die 
gewebten Ornamente sind zumeist rein geometrisch. Die rothenoder 
blauen Fäden des lancirten Figurenschusses liegen ilott, oft über mehrere 
Centimeter Breite, über dem Grundgewebe: eine primitive Art der Or- 
namentweberei, die wir auch bei den Aegyptern der spätantiken Zeit 
antreffen. Auch die Broschirung, die wir bei den Serben finden, war
	        

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