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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 9)

gestellt, wobei der dem Beschauer zugekehrte Fuß manchmal auch schon 
in wagrechter Richtung dargestellt wurde. Die nach unten zu schmal 
verlaufende Schildoberfläche verlangte für den vierten Fuß gleichfalls 
eine Streckung nach oben; die noch übrige Fläche des Schildes wurde 
in passender Anordnung mit dem mächtig entwickelten Schweif des 
Löwen bedeckt. 
Mit der Veränderung der Schildform im folgenden 13. und 14. Jahra 
hundert, mit der Einführung der im Allgemeinen als gothisch bezeich- 
neten Dreieckschilde konnte sich unser Löwe schon freier strecken. Einer 
der Vorder- und einer der Hinterftlße konnte nun in perpendiculärer 
Richtung zur Schildachse gestellt werden. Mächtiger werden die Glieder 
und zottigcr (Fig. 20). Eine wesentliche Veränderung erfuhr die Gestalt 
des Löwen mit der Einführung der auch unten breiten Schilde und der 
verschieden geformten, doch gleichfalls breiten, mehr oder weniger aus- 
geschweiften Tartschen, welche beim Lanzenstechen gerade vor die 
Brust gehalten wurden, und zum Ztvecke des Einlegens der Lanze oben 
 
rechts mit einem rundlichen Ausschnitt versehen waren. Die lange Linie 
des Schema's für den Löwen wurde schräg gestellt (Fig. 2:), und durch 
zwei im rechten Winkel darüber gezogene Linien in drei Theile getheilt. 
War bei den früher angeführten Löwen der Leib steif gestreckt, so 
erhielt er mit der Anwendung des neuen Linienschema's eine scharfe 
Knickung nach hinten, indem die lange Linie mit dem rechten Vorder- 
fuße, dem Rumpf und dem linken Hinterfuße belegt wurde, der Kopf 
aber auf die obere Querlinie traf. Das Zottige des Löwen beschränkte 
sich auf die Mähne und einige Partien der Fuße, deren Klauen - Waffen 
genannt - sich spreizten und lösten; der Schweif aber, um nicht dürftig 
die Fläche zu bedecken, wurde verzweigt dargestellt mit ornamental an' 
geordneten Haarbüscheln. _ 
Der heraldische Panther erhielt einen in der Regel feuerspeienden 
Kopf phantastischer Form, dem Drachenkopf nahe kommend, der wie 
das Haupt eines Sauriers gebildet wurde. Zum Rumpf und den Hinter- 
füBen eines Löwen erhielt der Panther anstatt der Vorderfüße Adlerfänge. 
Das Linienschema des heraldischen Adlers bestand aus einer langen 
Linie in der Richtung der Schildachse, bestimmt für Kopf, Leib und 
Schweif des Adlers, ferner zwei Linien für die Fänge und einen Kreis- 
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