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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 10)

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Von dem ersten Viertel des t6. Jahrhunderts an schwand mit dem 
Gebrauche von Schild und Helm auch die Vertrautheit mit dem Wappen 
selbst und nur allein die Bilder dieser Ehrenzeichen pHanzten sich 
noch, von der Erinnerung an die realen Urformen unterstützt, eine 
Zeitlang fort. Es ist ungewiss, ob Götz von Berlichingems Gefährte, "der 
Krone Böhmens Feinde, seinen Wappenschild zu Heidelberg vbeim Hir- 
schenu noch in natura aushing; Götz spricht sich darüber nicht bestimmt 
genug aus, doch wäre es immerhin möglich, dass solche Form von Ver- 
lautbarung der Anwesenheit in diesem Falle noch geübt wurde. 
Vorn 16. Jahrhundert ab, als die lebendige Pflege des Wappen- 
wesens zugleich mit den Turnieren erlosch, stellte sich die Periode ein, 
in welcher wenigstens noch in frischer Erinnerung der Lebenden das 
Aussehen und der Zweck der Wappen fortbestanden. Mit besonderer 
Consequenz erhielt sich der Gebrauch, seit uralter Zeit schon geübt, 
Wappendarstellungen zur Ausstattung textiler Erzeugnisse zu verwenden. 
Von richtigen Wappentapeten sind manche gute Beispiele bis auf unsere 
Zeit gekommen, darunter eines von unübertrefflicher Vollkommenheit, 
welches wir zwar nicht als fertiges Object besitzen, von dessen Aus- 
sehen wir uns jedoch nach den noch vorhandenen, zu seiner Herstellung 
bestimmten technischen Behelfen eine vollkommen klare Vorstellung machen 
können. Es existiren nämlich im Besitze des Allerh. Kaiserhauses eine 
Anzahl von Original-Holzstöcken aus dem 16. Jahrhundert, zum Drucke 
von Wappen bestimmt, von einer Vollendung der Zeichnung, wie sie 
geradezu einzig in ihrer Art zu nennen ist. 
Diese Wappendarstellungen lassen sich zum Rauteumuster ver- 
einigen und bilden so ein endloses Tapetenornament, welches zwischen 
dem sich regelmäßig wiederholenden Hauptmotiv, dem österreichischen 
Bindenschilde, eingefügt die einzelnen Länderwappen des österreichischen 
Kaiserhauses zeigt. 
Auch in allen anderen Zweigen der Kunstübung wurde, so lange 
die Tradition sich lebendig erhalten konnte, das Wappen als vorzüglicher 
und bedeutungsvoller Schmuck verwendet. Die Meisterwerke der Glas- 
malerei, der Goldschmiedekunst und Emaillage, der Plastik in verschie- 
denem Materiale u. s. w. geben allerorten Zeugniss davon. 
In die Zeit der Hoch- und Spätrenaissance, die Zeit der Zierheraldik, 
wie wir sie mit Bezug auf unseren Gegenstand wohl nennen möchten, 
fällt auch die Einführung der Wappenmäntel und Wappendecken, der 
Schildhälter in Gestalt von wilden Männern u. s. w., erst als ganz will- 
kürliche Zuthaten angebracht, bald aber als eigene Attribute iixirt. 
Wohl als die zuerst aufgetretenen Abarten der turniermäßig zu- 
sammengestellten Wappen können die Schilde der Kirchenfürsten gelten 
mit den unterscheidenden Zeichen der Würde, den mit Quasten in he- 
stimmter Anzahl behangenen rothen Cardinals- und grünen Bischofs- 
hüten, den Mitren, Krummstäben u. s. w., welchen später - wohl zuerst
	        

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