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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 12)

Schon die Ordnung, welche in der Abtheilung der französischen 
Industrie herrscht, ist höchst einnehmend. Alle und Jede haben sich dem 
einfachen System der Anordnung und der für jeden Zweig gemeinsamen 
Decoration untergeordnet; Niemand hat Kopf und Willen darauf gesetzt, 
seine eigene Form und Verzierung zu haben, ob er nun die Nachbarn 
und Genossen schädige oder nicht. 
Die französische Industrie, die Knnstindustrie voran, nimmt den 
ganzen Mittelraum des großen Industriepalastes ein. Eine breite Central- 
halle, auf der Hauptachse der Ausstellung gelegen, führt bis zur Ma- 
schinenhalle und schneidet sie so in zwei Hälften. Von dieser Central- 
halle laufen nach rechts und links geräumige Galerien ab, vielmehr hohe 
und breite Säle, welche je den einzelnen Industriezweigen gewidmet sind. 
Jede dieser Galerien hat ihre eigene Anordnung, ihre eigene Decoration, 
dem Gegenstande entsprechend, die einen in lichtem, die anderen in 
dunklem oder schwarzem Holze, die Verkleidungsstoffe in Roth, Grün 
oder Blau, die Parfümerien, beispielsweise gesagt, in einem Raume, in 
welchem die Vitrinen, in Rococo gehalten, grün lackirt und mit zierlicher 
Blumenmalerei geschmückt sind. Was irgend frei stehen kann, steht frei 
und oEen da; was gefährdet ist, steht hinter Glas. Jede dieser Galerien 
öffnet sich nach der Centralhalle mit einem großen Portal, das ebenfalls, 
den dazu gehörenden Gegenständen entsprechend, mit reicher Decoration 
versehen ist, wie z. B. das Portal für die Galerie der Faiencen und Por- 
zellane mit Faiencegemälden und polychrom glasirten Statuen und Orna- 
menten verziert ist. 
Den Eintretenden empfängt der mit Gobelins, Gemälden, farbigen 
und goldenen Ornamenten, farbigen Fenstern, mit Vasen und Statuen 
reich geschmückte Raum der Centralkuppel. An diese lehnen sich rechts 
und links zwei große Gemächer an, beide den Staatsfabriken gewidmet; 
dasjenige zur Rechten den Gobelins von Paris und Beauvais, dasjenige 
zur Linken der Porzellanfabrik von Sevres. Der Blick gerade aus fliegt 
die Centralhalle hinab rechts und links an den Portalen der einzelnen 
Industriezweige entlang, während in der Mitte noch einzelne Gegenstände 
von besonderer Größe oder einzelne Aussteller von besonderer Bedeutung 
ihren Platz erhalten haben. Auch da herrscht Ordnung und Uebersicht. 
Die Massen der Besucher mögen "sich drängen, sie füllen die Räume, 
aber überfüllen jsie nicht. Trotz der Hunderttausend und mehr, die in 
den Nachmittagsstunden sich einfanden, konnte man ungehindert sich he- 
wegen und seinen Studien nachgehen. 
Der wohlthuende Eindruck, den der Besucher durch die Groß- 
räumigkeit und durch die reiche und doch harmonische Decoration 
empfängt, wird ihm nicht getrübt in der Betrachtung dessen, was die 
französische Kunstindustrie ihm vor Augen stellt. Schon wer die fran- 
zösischen Staatsfabriken von früher her kennt und ihre Leistungen ver- 
folgt hat, muss ihnen zugestehen, nicht blos, dass sie sich auf richtigem
	        
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