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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 12)

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Wege befinden - was man früher nicht behaupten konnte -, sondern 
auch, dass ihre heutigen Arbeiten ebenso rnannigfach wie bewunderns- 
würdig sind. 
Die beiden Fabriken von Gobelins, namentlich diejenige von Paris, 
litten früher an dem Ehrgeiz, mit der Oelmalerei wetteifern zu wollen. 
Sie wollten mit ihrem Material und ihrer Technik nicht Wanddecora- 
tionen, sondern Gemälde schaEen, welche es an Höhe der Gegenstände, 
an Zeichnung und Modellirung, an Kraft, Sattheit und Tiefe der Farben 
mit den vollkommensten Oelgemälden aufnehmen könnten. Da aber doch 
die Gobelinswirkerei nicht original schafft wie der Maler, sondern nur 
dessen Werke copirt, so bleibt sie, mit Aufgabe ihrer eigenen Vortheile, 
immer hinter ihren Vorbildern zurück. Solchergestalt zeigte die Pariser 
Ausstellung von 1867 eine Reihe Copien nach berühmten Gemälden der 
ersten Meister, die man in ihrer Art bewundern konnte, die aber doch 
bei so außerordentlicher Mühe, bei ihren übermäßig hohen Preisen, sowie 
bei ihrer Bestimmung als Wandverzierung ihren Weg verfehlt hatten. 
Auch heute ist dieser Standpunkt nicht ganz verlassen; ein großes G0- 
belinsgemälde nach Mazerolles, vdas Pathengeschenk der Feenu betitelt, 
welches eine Wand der Centralkuppel schmückt, legt Zeugniss davon ab. 
Die übrigen Arbeiten aber, wie sie die Wände des ihnen bestimmten 
Gemaches bedecken, stellen sich in Haltung und Zeichnung auf den 
decorativen Standpunkt, ohne auf höheren künstlerischen Schmuck, auf 
Landschaftliches, Stillleben, Genrebilder mit den Reizen einer durch den 
Schimmer der feinen Wolle milder gestimmten Wirkung zu verzichten. 
Aehnlich war es mit den früheren Arbeiten der Sevres-Fabrik, wie 
sie sich auf der Ausstellung von 1867 darstellten. Aller Nachdruck war 
auf bildliche Malerei gelegt, zu welcher Künstler ersten Ranges außerhalb 
der Anstalt mit großen Kosten herbeigezogen waren. Die Formen waren 
unbedeutend, die Technik vernachlässigt. eine Menge Fehler durch Bronze- 
montirung, auf welche sich Sevres fabriksmäßig eingerichtet hatte, be- 
mäntelt und verdeckt. Seitdem hat die Fabrik mancherlei durchmachen 
müssen, auch in jüngster Zeit noch. Man ist zur richtigen Einsicht ge- 
kommen, hat die Schule an derselben verändert und erweitert, hat die 
künstlerische Richtung gewechselt, neue Directoren sind gekommen, und 
jetzt steht der bewährteste Keramiker Frankreichs, Theodor Deck, an 
ihrer Spitze. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben, und man muss zugeben, 
dass die Fabrik von Sevres ihren alten Rang rühmlichst wieder ein- 
genommen hat, ohne dass sie nöthig gehabt hätte, auf bloße Nachahmung 
ihrer selbst, das heißt ihrer älteren und berühmten Arbeiten, sich zu 
beschränken. Vielmehr ist sie vielseitiger geworden, als sie es je war. 
Zu den zierlichen Arbeiten und den schönen Farben der Zeiten Lud- 
wig's XV. und Ludwig's XVI. verfügt sie jetzt über die ganze volle Palette 
der chinesischen Porzellane, der älteren zumal, deren einige für uner- 
reichbar galten. Mit reinerem Formensinn, der allerdings französisch modern
	        

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