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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 12)

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Hälften der vorspringenden Flügel hat es den anderen Nationen über- 
lassen. Zur Rechten, wenn man das Marsfeld hinabsieht, befindet sich 
England neben Holland, Belgien, Dänemark und dem, was von Oester- 
reich vorhanden ist; links stehen Amerika, Russland, Italien, die Schweiz, 
Norwegen, Griechenland und einige andere Staaten. 
Auf dem ihr zugewiesenen Gebiete hat sich jede der Nationen 
nach eigenem Ermessen eingerichtet, zum Theil nach verständigem Plane 
mit einem Portal nach Landesart, zum Theil auch mit großer Willkür 
und allzu gedrängt, wie eben Vitrinen und Gegenstände sich zusammen- 
fanden. Gekommen oder wenigstens vertreten sind alle Nationen mit 
Ausnahme Deutschlands, aber man sieht ihren Abtheilungen wohl viel- 
fach an, dass hier nur das Geschäft gewaltet hat, nicht aber die vor- 
bedachte Sorgsarnkeit eines Regierungscomites obwohl ja auch das, wie 
die Erfahrung gelehrt hat, nicht unfehlbar ist. Nicht am wenigsten ist 
dies in der österreichisch-ungarischen Abtheilung zu erkennen, welche 
man dadurch am besten charakterisirt, dass man sagt, es ist Alles ge- 
kommen, was man nicht gewünscht, und Alles ausgeblieben, was man 
dort gewünscht hätte. 
So sind denn alle diese verschiedenen Staaten keineswegs mit der 
Größe oder dem Glanze erschienen, wie es heute in ihrer Macht gestanden 
wäre und wie es die fortgeschrittene Kunstarbeit wohl erlaubt hätte, und 
wenn wir auch nicht sagen können, dass sie früher besser ausgestellt 
hatten, so doch nicht schlechter. Vielleicht ist es aber auch nur der 
Umstand, der den guten Eindruck vermindert, dass wir wesentlich überall, 
wenn nicht bekannte Dinge, doch bekannte Arten sehen. Es ist, wie ge- 
sagt, die Arbeit, die künstlerische Leistung wohl vorgeschritten, aber 
doch auf den alten Wegen, in den besonderen Eigenthümlichkeiten des 
Landes und seiner allgemeinen oder nationalen Industrie. Es soll das 
durchaus nicht als ein Vorwurf gemeint sein, denn wirklich Neues zu 
erfinden, neue Wege zu gehen, neue Richtungen einzuschlagen, ist heute 
der Kunstindustrie kaum möglich, nachdem sie in den letzten Jahrzehnten 
sich aller alten je geübten Technik und aller Stilarten der Vergangenheit 
bemächtigt hat. Aber eben dieser Umstand, dass wir uns stets dem 
Alten und Bekannten gegenüber sehen, gibt uns auch wenig Veranlas- 
sung zu besonderen oder lehrreichen Betrachtungen. Ich enthalte mich 
daher der Schilderung der einzelnen Länder, und will aus dem, was sich 
neben der französischen Ausstellung noch Bemerkenswerthes findet, nur 
Einzelnes von Interesse herausgreifen, bevor ich zu Frankreich übergebe, 
als dem Lande, welches, wenn je, hier in führender und gebietender 
Stellung steht. Frankreich war eben auch gezwungen, sollte sein Unter- 
nehmen gelingen, selber die höchsten Anstrengungen zu machen. 
Es ist im Verhältniss zu der Größe seiner Industrie oder speciell 
seiner Kunstindustrie nicht viel, was uns England vor Augen stellt. 
Das Bedeutendste und Originellste, was es zu zeigen hat, sind seine Ar-
	        

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