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Inhaltsverzeichnis: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

JOD 
des Steines und Putzes, ab- 
wechslungsreich ausdrückt. 
Nirgends akademische 
Strenge, nirgends störender 
Einfluß von Lehrbüchern 
oder bindenden Vorbildern. 
Jede Säule erhält ihren be- 
sonderen materialgerechten 
Schmuck, jede Konsole den 
strengen einfachen Schnitt, 
der dem speziellen Zweck 
entspricht. Und die einfache 
oder reichere F assadenglie- 
derung trägt immer den von 
innen nach außen wirken- 
den Bedürfnissen ohne Ty- 
rannei der Symmetrie Rech- 
nung. Der große, einfache, 
umrissene, steile Giebel mit 
dem hohen„Schopf", derAb- 
walmung des Daches, wirkt 
in der Nebeneinanderreihung 
so lebendig wie stattlich im 
Einzelbild. Sehr eigenartig 
ist oft dem Bedürfnis Rech_ Wohnhaus am Stadtplatz in Steyr 
nung getragen, dem Innenraum auch seitliche Ausblicke auf die Straße zu 
gestatten. Man benutzte dazu kleine Vorsprünge in der Straßenffucht, die 
durch Abschrägung oft gemildert wurden. Das pedantische Einhalten 
geradliniger Baufluchten ist dem alten Hausbau fremd und zahlreiche reiz- 
volle Zufälligkeiten verdanken diesem Umstand ihr Entstehen. 
Es trägt immer viel zur packenden Wirkung eines Baues bei, wenn wir 
seine Gestaltung aus den ganz speziellen Bedingungen der Örtlichkeit 
hervorgehen sehen und so den Eindruck des an Ort und Stelle Gewachsenen 
empfangen. Dadurch, daß gewaltsame Niveauregulierungen früher selten 
waren, daß die Ausführung nicht nach so detaillierten Baurissen erfolgte wie 
heute, sondern dem Bilden im großen durch den Einfall an Ort und Stelle 
mehr Spielraum gelassen wurde, daß das entwickelte Handwerk dem Aus- 
führenden eine gewisse Selbständigkeit einräumte, durch alle diese Umstände 
entstand eine Beweglichkeit der Ausdrucksformen, selbst bei allereinfachsten 
Ausdrucksmitteln, der wir den malerischen Reiz alter Städtchen und ihre In- 
dividualität verdanken. Bis in die Nähe der Großstadt sind diese Grundsätze 
noch vor kurzem wirksam gewesen und ein Streifzug durch die nähere und 
weitere Umgebung Wiens bietet noch immer, aber leider nicht mehr lange, 
reiche Gelegenheit zum Studium. 

	        

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