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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 10)

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einige Monate später auch die Kaiserkrone niederlegte und sich in das 
Kloster San Yuste zurückzog; da aber im Falle, dass der Steif in der 
Zeit gewebt worden wäre, in der Carl V. noch regierte, der Namenszug 
des Kaisers sicherlich im Rapport an erster, und nicht, wie es sich an 
unserem Muster, das die eine Sahlleiste aufweist, mit Sicherheit erkennen 
lässt, hinter dem Monogramtn Philipps, an zweiter Stelle erscheinen 
würde, ist die Richtigkeit der Datirung Prof. Lessing's gewiss außer 
aller Frage, auf Grund derer wir die Entstehung unseres Brocates 
frühestens in das Jahr 1556 - das Jahr der Thronentsagung des Kaisers, 
- den Stoff des Berliner Museums aber, auf welchem das wCarolusu- 
Monogramm eliminirt ist, in das Jahr 1558, das Todesjahr Carl V., 
verlegen müssen n). 
I-Iandzeichnungen alter Meister "). 
Von Dr. Heinrich Modern. 
I. 
Mit der Ende September ausgegebenen Lieferung schloss der zweite 
Band der unten genannten, leider zu wenig gewlirdigten Publication. Die 
letzte Lieferung des zweiten Bandes brachte wohl allen Kunstgelehrten 
und Kunstfreunden eine große Ueberraschung, den Triumphwagen Kaiser 
Maximilians in Facsimile-Drucken nach den Aquarellen Albrecht Dlirer's 
in der Albertina. _ ' - 
Ehe wir auf diese Reproduction, die die berühmten Aquarelle zum 
ersten Male in farbiger Ausgabe weiten Kreisen erschließen, näher ein- 
gehen, wollen wir eine kurze Rückschau über die im zweiten Bande 
der "Handzeichnungen alter Meister-x getroffene Auswahl halten. 
Die deutsche Schule ist naturgemäß am reichsten, Dürer allein mit 
31 Zeichnungen und Aquarellen, letztere sämmtlich aus der Albertina 
und fast alle in Facsimile-Drucken, vertreten. Darunter die reizende, 
farbenfrohe Idylle Madonna mit den Thieren, die Porträte Kaiser Maxi- 
milians l. und Cardinals Albrecht von Brandenburg, und eine ganze 
_Serie von Costlime- und Trachtenstudien. Da Lippmann's großes Werk 
der Dürer-Zeichnungen die Schätze der Albertina bisher nicht gebracht 
11) Dass Hofbedienstete nach der Thronentangung Carl V. noch Gewänder trugen, 
die sein Monogrumm neben demjenigen des neuen Herrschers eufwiesen, ist keineswegs 
auffällig, wenn man erwägt, dass der Kaiser auch noch in San Yuste - entgegen 
mancher populären Anekdote - als v-Kaiser- betrachtet wurde, und er sowohl am Hofe, 
als in der Regierung seines Sohnes, auch in den beiden letzten Jahren seines Lebens 
eine ganz hervorragende Rolle spielte. 
') Hnudzeiclxnungen llter Meister aus der nAlbertinnr und anderen Slmmv 
lungen. Herausgegeben von 10a. Schünbrunner und Dr. Jos. Meder. (Wien, Verlag von 
Gerlach d: Schenk.)
	        
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