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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 9)

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in Form einer Cartouche gebildet, deren breiter Rand oben und unten 
parallel verläuft und seitlich S-fürmig gekrümmt ist. 
Höhe bei 0,79. 
z. Büste eines jungen Mannes, der etwa 20 Jahre zählen dürfte. 
Der Harnisch, den er trägt, wird zum Theil von einem dickfaltigen 
Mantel bedeckt, welchen über der rechten Schulter eine Agraffe mit 
dickem, pyramidenartigem Knopfe festhält (als ngrossa borcbiac wird eine 
solche Agraffe im Italienischen bezeichnet). Kurzes Haar. Am Schnitte 
der rechten Schulter bezeichnet: wyAyvyFyl, in vertiefter Schrift, die 
oben beginnt. Cartouche wie bei i, aber bei ungefähr gleicher Breite 
etwas höher. 
z. Büste einer Matrone. Realistisch aufgefasste Gewandung. Kleid 
mit Krausen am Kragen und an den Schultern. Das Leibcheu (wohl 
Mieder) ist vorne mittels einer Reihe von verzierten Knöpfen geschlossen, 
die man sich vermulhlich als schwere Goldknöpfe vorzustellen hat (als 
ngrossi bottoni d'oro-i, wie sie z. B. bei Francesco Sansovino, 158i, 
erwähnt werden'). Der Witwenschleier ist nicht zu übersehen. Die 
Cartouche vorn an der Basis ist hier etwas niedriger als bei den zwei 
anderen Büsten und unterscheidet sich von den Cartouchen bei I und 2 
auch dadurch, dass in ihr Feld ein wenig erhobenes Trapez eingefügt ist, 
welches in einiger Entfernung die innere Begrenzungslinie der Umrahmung 
im Allgemeinen wiederholt. Ohne Signatur. 
H. 0,80. 
Trotz der kleinen Abweichung im Ornament an der Basis ist doch 
die Stilverwandtschaft dieser nicht signirten Büste mit anderen signirten 
Arbeiten des Vittoria eine so auffallende, dass zu irgend welchen Zweifeln 
an der überlieferten Benennung hier keinerlei Grund vorliegt. 
Die Tradition bezeichnet alle drei Büsten als Werke des Alessandto 
Vittoria und nennt die Dargestellten im Allgemeinen Mitglieder der 
venezianischen Familie Zorzi (Giorgi). Diese Ueberlieferung, zusammen- 
gehalten mit einer Stelle, die ich bei Giovanelli und Gar finde, führt 
denn auch zu einer sicheren Angabe über die Herkunft der Büsten. Gar 
theilt in einem Anhang zu seiner Vittoria-Biographie Einiges mit, das ihm 
von Vinceuzo Lazzari und E. Cicogna als Beitrag zu seiner Arbeit 
geschrieben worden war. Wie es scheint, ist es Cicogna. der folgende 
Mittheilungen macht: nIch habe im verßossenen Jahre 1854 drei Terracotta- 
büsten im Hofe der Casa Carragiani beim Ponte dei Greci am Rivu di 
San Lorenzo gesehen. Es sind zwei weibliche und eine männliche (Büste). 
Auf einer der zwei (weiblichen) finden sich die Worte ALEX. VlCTORlA. 
F. wie gewöhnlich (bei Vittoria) auf dem Schnittstreifen rückwärts. Die 
männliche Büste trägt Vittoria's Monogramm A. V. F. ebenfalls an der 
Rückseite. Dieser Palast, der jetzt Carregiani heißt, gehörte zur Zeit des 
') Vergl. Venuin du": nohilias. descrilu, BI. 152a.
	        

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