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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 5)

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das Geheimniss der Porzellanbereitung, das er zu besitzen vorgab, an- 
geboten. Die Unterhandlungen wurden sofort eingeleitet, Delegirte nach 
Straßburg entsendet. Hannong begehrte 100.000 Frcs. und eine lebens- 
längliche Leibrente von 12.000 Frcs. 
Der Umstand, dass Hannong keine sicheren Beweise für die Rich- 
tigkeit seiner, wohl auch von Wiener und Meißener Adepten herstam- 
menden Recepte beibringen konnte, ließen die französische Regierung 
zunächst zaudern. Als dann aber Hannong in Frankenthal in der Pfalz 
eine Fabrik unter dem Schutze des Kurfürsten errichtet hatte und schöne 
Producte fertig brachte, wurden die Unterhandlungen mit größtem Eifer 
wieder aufgenommen. 
Die Minister Ludwig XV. setzten sich persönlich ein; der Kauf- 
preis und die Schwierigkeiten waren indess nun noch höher gestiegen. 
Erst 176i, nach achtjährigem Pactiren, gelang es, mit dem jüngeren Sohne 
des inzwischen verstorbenen Paul Hannong einen Vertrag zu Stande zu 
bringen. 
Sevres war nun endlich im Besitze der Recepte, - damit aber vor 
der Hand um keinen Schritt weiter. Die Basis der Hannongkchen Vor- 
schriften war der Kaclin von Passau, ein fremdländisches, Sevres unzu- 
gängliches Material. Es hieß nun in Frankreich nach Kaolin (und Feld- 
spat) suchen! 
Alle Welt hetheiligte sich alsbald mit Feuereifer an diesem Pro- 
bleme. Chemiker, Naturforscher durchstreiften das Land, der Chemiker 
Macquer in Sevres untersuchte alle Erden, die man ihm zubrachte, jahre- 
lang fruchtlos - bis endlich nach sieben Jahren der Mühe ihr Lohn 
wurde, nun aber auch in vollstem Maße, indem das reiche Lager vorzüg- 
lichsten Kaolins in St. Yrieix bei Limoges entdeckt wurde, das bis 
heute die Basis für Sevres und die meisten anderen französischen Por- 
zellanfabriken geblieben ist. 
So war denn - 1769 - das Problem für Sevres gelöst. Die Fabri- 
cation des Hartporzellans wurde sofort in Angriff genommen, 1774 war 
dieselbe auch schon in voller Entwickelung. 
Daneben wurde zunächst auch die alte Weichmasse nicht ver- 
nachlässigt. 
Tüchtige Directoren folgten einander in der Leitung der Manu- 
factur: Boileau, Parent, dann Regnier bis zur Anarchie der Revolutions- 
zeit, der er auch (1793) zum Opfer fiel. Eine Reihe technischer Vervoll- 
kommnungen der Fabrication und namentlich der Decoralionsmittel ist 
ihrem Einßusse zu verdanken, so dass Sevres bald auch in Hartporzellan 
Meißen und Wien vollständig ebenbürtig dastehen konnte. 
Die Producte dieser Epoche von Sevres im Stile der Zeit, der mit 
seinen launenhaften, willkürlich und unregelmäßig geschweiften und ge- 
wundenen Formen sich dem im Feuer leicht deformirenden Materiale so 
äußerst günstig anpasste -- all" diese zarten und duftigen Porzellane mit
	        

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