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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 1)

einige spätere Werke, wie die Thürpfosten des Baptisteriums und die 
Portalumrahmung von Santa Maria Novella. Das realistische Element, das 
Piero di Giovanni in die Horeminische Decorationskunst einfügte, barg 
wichrige Enlwickelungskeime für die Zukunft. Es war hier gleichsam das 
Thema gegeben, das die Renaissance in ihrer Weise über ein Jahrhundert 
lang variirt, weirerbildet und bis zu höchster Vollendung führt. 
(Fortsetzung folgt.) 
Angelegenheiten des Oesterr. Museums und der mit 
' demselben verbundenen Institute. 
Die Weilmaohts-Ausstellung des Wiener Kunatgewerbe- 
vereines wurde Montag den 8. December von der Frau Kronprinzessin- 
Witwe Stephanie durch einen längeren Besuch ausgezeichnet. Die 
hohe Frau wurde vom Director des Museums, Hofrath v. Falke, durch 
die Ausstellung geleitet. 
Ausstellungen. In der Sitzung des Curatoriums am io. December 
wurde auf Antrag des Directors beschlossen, im nächstfolgenden Winter 
von i892 auf t893 unter dem Titel i-Hausrath des Mittelalters und der 
Renaissanceu eine Specialausstellung zu veranstalten, welche in Möbeln, 
Geräthschaften. Instrumenten, Wandschmuck, Textilgegenständeri u. s. w. 
ein Bild von der Häuslichkeit der Menschen in der genannten Zeitepoche 
darstellen soll. Dieser Ausstellung soll eine zweite folgen, welche, ver- 
anlasst durch die zu Pfingsten i893 in Wien tagende Philologen- und 
Archäologen-Versammlung, alles dasjenige zu vereinigen hätte, was sich 
in Wien von antiker Kunst im Privatbesitz befindet. 
Vorlesungen. Die Vorlesungen des Directors Hofraths von Fti l k e über -Geschichte 
des Geschtnaks im Mittelalten, welche wegen zeitweiliger Erkrankung desselben verschoben 
werden, werden an den Sonntagen vom te. Januar bis 7. Februar Vormittags lt Uhr 
im Museum abgehalten werden. 
- Am 3., io. und 17. December v. J. hielt Universitäts-Docent Dr. J. Strzy- 
goivski Vorlesungen tiber wGeschichte der byzantinischen Kunsmi lm ersten Vortrage 
bezeichnete er die Gründung Cnnstantinopels als den Geburtstag der byzantinischen Kunst. Er 
gab hierauf ein Bild der Stadt zur Zeit Constantins, ihrer l-Intvrickelung bis auf den Umfang, 
den sie heute noch einnimmt, sprach von ihren Befcstigungsmluern und erwähnte das gol- 
dene Thor. Es kam sodann der Umfang des byzantinischen Reiches, in welchem die orien- 
talischen Provinzen überwiegen, der Orientalismus in Staat und Kirche, sowie die Volks- 
masse zur Besprechung, und wurde darauf hingewiesen, dass die byzantinische Cultur sich 
auf dem Boden der Antike unter Einwirkung eines dogmatisirenden Christenthums und 
des Orients entwickelt hat. Der Vortragende begann sodann mit der Besprechung der 
Architektur. Das Verdienst der byzantinischen Architektur besteht darin, die zweite Grund- 
form der christlichen Kirche, den Kuppelbeu, geschaffen zu haben; derselbe entwickelte 
sich aus den kreisrunden, oktogonalen und kreuzformigen Centtalbauten, die ursprünglich 
for Baptisterien und Grabbauten im Gebrauche waren (S. Costanza, S. Vitale, S. Sergius 
und Bacchns und die Apostelltirche Justinians). Den krönenden Abschluss Gndet diese 
Entwickelung durch die Sophienkirche. Für die mittelbyzantinische Zeit bietet Griechenland 
leitende Bauten: es wurde daher auf die Kirche vom Jahre 874, Daphne, Hoaios Lukas 
hingewiesen. Athens Schicksale wurden sodann in Betracht gezogen und die Bedeutung 
der kunstgeschichtlichen Forschung für die Klarting der wdunklen Jahrhunderten hervor- 
gehoben; Die Backsteinbauten Salonichis und Constantinopels konnten hierauf nicht ober- 
gangen werden. ln spatbyzantinischer Zeit, unter dem Einliusse der Lateiner, vollzieht sich 
endlich eine stellenweise Rückkehr zum Basilikenschema. Der Hinweis auf Mostra und 
die triknnchen Kirchen des Athos bildete den Schluss der ersten Vorlesung. 
ln der zweiten Vorlesung begann der Vortragende mit der Schilderung der Deceration 
der Architektur. lm Gegensatze zur Antike wird das Aeußere vernachlässigt, das lnnere
	        

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