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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 11)

Jlß. 
Geschichte kennt. Für Mentuhotep II. arbeitete Mertisen, ein Bildner 
in Stein, Gold, Silber, Elfenbein und Ebenholz, der von sich sagt, er 
habe im Herzen des Königs eine Stätte besessen und gethan was diesem 
wohlgefiel tagtäglich"). Ob dieser Mertisen auch Geschmeide erzeugte, 
bleibt wohl unentschieden; nach dem verschiedenen edlen Material zu 
schließen, das er bearbeitet, dürfte er aber wohl ein Meister der plasti- 
schen Kleinkunst gewesen sein und kein eigentlicher Bildhauer. 
Eine durchgreifende Reorganisation des Reiches begann aber erst 
unter der XII. Dynastie, unter welcher Aegypten eine so hohe Blüthe er- 
reichte, dass späteren Geschlechtern diese etwa zwei Jahrhunderte umfas- 
sende Periode als die classische Zeit ihrer Geschichte erschien"). In den 
äußeren Lebensformen bemerken wir wohl keine auffällige Veränderung. 
Das wesentlich Neue auf dem Gebiete des Schmuckes in den Darstellungen 
der Gräber von Beni Hassan, welche für diese Epoche dieselbe Wichtigkeit 
haben, wie die Mastaba's für das Alte Reich, ist ein weiteres Umsichgreifen 
des Luxus und der Schmuckliebe. An neuen Typen und Formen lässt sich 
wenig entdecken, aber die bereits vorhandenen werden von Bevölkerungs- 
classen getragen, welche früher entweder schmucklos einhergingen oder 
sich in bescheidenerer Weise schmückten. Damals vermehrten sich auch die 
Schätze an Gold in ganz außerordentlicher Weise, indem den Aegyptern 
durch ihre Eroberungen in Nubien neue Golddistricte eröffnet wurden. 
Nun erhalten Anführer, die sich im Kriege auszeichnen, goldenen 
Sckmuck zur Belohnung"). Das Gewerbe der Goldschmiede gewinnt an 
Bedeutung, reicher wird der Schmuck der Götter wie der Menschen und 
es ist bezeichnend, dass wir gerade aus dieser Zeit in einem der Gräber 
von Beni Hassan eine ausführliche Darstellung besitzen, welche uns die 
Gewinnung und Bearbeitung des Goldes verführt. Bemerkenswerth ist 
ein Streben nach zierlicher Leichtigkeit im Gegensatz zu den festen, 
gedrungenen Formen im Alten Reiche. Nicht allein die Gestalten der 
ohnehin schlanken Aegypter erscheinen nun auf den Monumenten noch 
schmäler und graziöser, auch in Tracht und Schmuck gibt sich eine 
Tendenz nach dieser Richtung zu erkennen. Die Blätter künstlicher 
Lotosblüthen werden schmal und spitz zulaufend und auf Bändern und 
Streifen tritt ein Zackenornament auf, das mit dieser Art stilisirter Lotos- 
blumen im sichtlichen Zusammenhange steht. Die Muster der Krägen 
werden complicirter, die Formen der Perlschnüre mannigfaltiger"), das 
Diadem der Frauen begleitet ein unterhalb desselben befestigtes breites 
Band, das von rückwärts nach vorne bis zu beiden Schläfen reicht, auch 
vereinzelte Beispiele von Ohrgehängen in Form von thalergroßen Scheiben 
") Mnspero, The Stile C 14 of (h: Louvre, in den Tranuctions of (h: Society 
of Biblical Archneulogy, V, 556. 
") Vcrgl. Ermnn, a. u. O. l, 69. 
") Lepsius, Denkm. IV, 138a. 
") Vergl. Lepsius, Denkm. Bd. IV, x40, x47, 148.
	        

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