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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 12)

zelnen Theilen durchbrochenen und ausgenähten Leintücher, sowie jene, 
welche von den Frauen des Hauses selber mit allerlei Bildwerk in farbiger 
Stickerei verziert wurden. . 
Auf dem Tische ist nun auch-reicheres Gerätb zu sehen als die 
Bilder des früheren Mittelalters und der romanischen Epoche zu. zeigen 
hatten. Die Inventarefürstlicber Schatzkammern sind voll von allerlei Kunst- 
geräth in Gold und Silber, oft in liberkünstlichen, ganz phantastischen 
Formen, zuweilen selbst mit automatischer Maschinerie, welche durch 
ihre Ueberraschungen die Verwunderung der Gäste hervurrief. Auch die 
Chroniken wissen davon zu erzählen. Die sogenannten Tafelaufsätze 
erscheinen in Form von Schiffen mit Mannschaft und in voller Takelage, 
in Form von Bergen mit Menschen undJagdthieren und Feldarbeitern, 
in Form von Brunnen, welche Strahlen von Wein bder Wasser in die 
Höhe senden. Dann kupstreich getriebene Pokale, birnförmig gebuckelt, 
mit Figuren und frei heraustretendem gothischen Laub, zum Theil mit 
Email verziert, dann Teller, Schüsseln, Saucieren und Salzfässer, _ Alles 
Silberarbeit und regelmäßig vergqldet. Während die Prunk- und Luxus- 
gefäße inmitten des Speisesaales auf Terrassenpyramiden aufgestellt werden, 
erscheinen die Speisetische mit Essgeräth reichlicher versehen, zumal mit 
Messern, deren sich auch manche von schöner Arbeiterhalten haben. 
Lößel jedoch sind; selten und der Gebrauch der Gabel hat noch lange 
nicht begonnen; es finden sich-daher, keine, so zahlreich auch dierßilder 
sind, welche Gastmähler darstellen. Zu dem kostbaren Geräth gehören 
auch Kannen und Waschbecken, welche nach wie vor bei dem Dienste, 
den die Finger zu thun hatten, für das öftere Waschen der Hände 
nöthig waren. _ v ' 
Auf dem Tisch des Bürgerlichen sah es freilich nicht so reich. und 
kostbar aus. Zinn, Glas und irdenes Geschirr mussten hier das Edelmetall 
ersetzen. Wie weit Glas für das Trinkgeschirr damals schon in Gebrauch 
stand und wie es in den Formen beschaffen war, ist bei dem Mangel 
erhaltener Gegenstände, sowie bei, dem Umstand, dass die Bilder das 
Material nicht erkennen lassen, schwer zu sagen. Venezianische Trinkgläser, 
welche noch dem t5. Jahrhundert angehören, zeigen den Silberpokalen 
verwandte Formen, grün oder blau im Material und mit eingebrannter 
Malerei verziert. Auch, das sind seltne Gegenstände. Was sich von 
deutschem Glas aus der Epoche des gothischen Kunststils erhalten hat, 
zeigt die schlichten cylindrigen Becher- oder Humpenformen vnn schwerem 
grünen oder grünlichem Glas tnit angehängten Glasbatzen. Man kann 
daraus erkennen, dass der irn 16. Jahrhundert so bestimmte Unterschied 
zwischen den zierlichen, eleganten und reichen Formen der venezianischen 
Gläser und den einfacheren und plumperen des deutschen Glases schon 
im t5. Jahrhundert vorhanden ist. _ 
Ebenso sind wir noch im Unklaren über Umfang und Art des 
glasirten irdenen Geschirrs in der bürgerlichen Wohnung. Es ist eben
	        

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