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Metadaten: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 82)

Die Beitrage in dieeer Nummer, mit der wir unrer zehnjährige: Eintreten für die Belange der Knnrt in Öeterreirh begehen, wellen alle auf die Frage antworten: „l 
e: mit der Kumt Jeit dem jahre 1955, mit dem Öeterreieh reine Freiheit und Unabhängigkeit wiedergewonnen hat?" Diue Standortbeetimmungen für die Gebiete d 
und angewandten Kunst wurden nahezu alle von Fachleuten und Kritikern der jüngeren Generatian verfaßt. Wenn diexe rieh mitunter palemieeh äußern, m. 
darin allein ihr Intererxe an und ihr Engagement für die Belange der Kunet. Daß „Kampf und Aureinandertetgung" um die Kunxl in unserem Lande üherha 
mbglirh rind, laßr unr für die Zukunft, die van dieeer Generalinu benimmt werden wird, daeh wieder hnfen. Die R 
Werner Hofmann 
Randbemerkungen zu einer Rand- 
Situation 
Jahrestage. zu Rückblicken mißbraucht, dienen der Verbreitung von Selbstzufriedenheit. "They in 
Ego", würden die Amerikaner das nennen. Wie sich das hierzulande anhört, ist den verschiedenen Beitrü 
Katalog der Ausstellung ..Wiener Malerei seit 1945 - Graphik aus Wien" zu entnehmen, die von t 
wochendirektion im Künstlerhaus veranstaltet wurde. Der Präsident der Wiener Festwochen schreit 
,.Ohne die Hilfe, die von der .öffentlichen Hand' anfangs dem bildenden Künstler geboten wurde, WÜl 
der Werke. die in den zwanzig Jahren seither geschaFfen wurden, niemals entstanden." 
Man möchte wünschen. es wären weniger entstanden und die öffentliche Hand hätte sich nicht allzu c 
falsche Großzügigkeit zum Verbündeten der Mittelmößigen gemacht. Man überblicke den künstl 
Schmuck staatlicher und kommunaler Gebäude. der das Auge beleidigt, und man wird Hofrat Mai 
widersprechen können: .,Ohne die Hilfe, die von der .öffentlichen Hand' anfangs dem bildenden 
geboten wurde. wären viele der Werke, die in den zwanzig Jahren seither geschaffen wurden, nier 
standen." 
Der nüchsle Satz lautet: "Üßnk einer unbeugsamen Kraft also. die den Künstlern innewohnt. und d 
Hilfe und dem Verständnis. die da und dart (!) ihrem Bemühen entgegengebracht wurden. vermochte 
bildende Kunst in Wien zu größerer Bedeutung zu entwickeln." Gewiß. unbeugsam ist die Kraft un 
unerschöpflich die Geduld derer. die zwischen dem Minoritenplatz und dem Friedrich Schmidt-Platz 
her pendeln. um sich - ..da und dort" - durch geschickte Nutzung aller sich bietenden Chancen Cll 
Erinnerung zu bringen und so ..zu größerer Bedeutung zu entwickeln". 
.,Und so hat heute immerhin mancher Name so mancher Künstler nicht nur im Inland. sondern auch im 
seinen guten Ruf." Was soll man sich darunter vorstellen? Es gehört. wie mir scheint. eine kräftige II 
notorischen Bescheidenheit des Österreichers dazu. um sich in Sachen der Gegenwartskunst der lllUSlK 
nationaler Wertschätzung hinzugeben. ..Aut' internationalen Ausstellungen". so wird uns versichert, ..l 
Wiener Künstler Erfolge." Welcher Art sind diese Erfolge. wie tief reichen sie? Sind diese Künstler im 
jenen identisch, die sich der Schätzung des lnlandes erfreuen dürfen? Wie viele unserer Staatspreistrü 
jenseits der österreichischen Grenzen bekannt oder dort je hervorgetreten? Und trügt der individuell 
im internationalen Bereich zur Konturierung des Gesamtbildes der österreichischen Kunst bei? Ulricl 
gartner glaubt. daß ein solches "image" irn Ausland bereits existiert und geschätzt wird. Er sagt: „Ä 
allgemeine Aufwertung. die die bildende Kunst in der Welt. zum Teil aus außerkünstlerischen Gründemi 
hat. findet eine ausgesprochen österreichische Kunst heute Anerkennung." Dem österreichischen Künst 
bescheinigt. er überzeuge immer dann. wenn er unerwartet an den ..SCl'tTllllpUl'1l(lEh zwischen Kt 
Gesellschaft" auftaucht. 
Ich versuche, einen solchen Schnittpunkt festzustellen. Ich kann ihn nicht entdecken, denn ich verm 
Partner, ohne den es keine Schnittpunktsiluation geben kann: die Gesellschaft, die spontan und ohne 
mundung reagiert. 
Jede Initiative, die Kunst provozieren könnte. ist veramtet: sie wird vom bürokratischen Schematisi 
Kammern und Bünde. der Macht- und Prestigegruppen leisetreterisch wahrgenommen. Diese Vollzug 
haben sich der freien. unmittelbaren gesellschaftlichen Meinungsbildung substituiert. Der einzige Schn 
den der Künstler antrifft, verkörpert sich im Kunstbeamten. Dieser ist weisungs-. oft auch ideologiege 
Das Ergebnis ist. daß der Künstler. zum dozilen Auftragsempfünger mit Aussicht auf Atelierzuweisung c 
die Wohltaten der Kunstförderung ebenso selbstverständlich in Anspruch nimmt wie die des Wahnur 
und der Sozialversicherung. Die Apparate greifen ineinander. man wird fortwährend "betreut". Da 
die sich und ihre Umgebung mit ..Materialaktionen" verwüsten. den Gnanziellen Händedruck der "öffe 
Hand" beanspruchen, zeigt deutlich. daß der Schnittpunkt von Kunst und Gesellschaft nicht in der 
forderung dieser durch jene. sondern dort zu suchen ist, wo sich die Mißvergnügten der zornigen Pose l 
und mit masochistischem Eifer die Futterkrippen umdrängen. 
Was die Kunstförderung tatsächlich fördert. ist die Verbildung des Charakters zu rezeptiver Biegsam 
den Merkmalen der Wiener Kunst zählt nach Baumgartner das Abschleifen der konstruierten Ecken. 
das formale Äquivalent der Umgünglichkeit und Konzilianz. die dem Auftragsempfdnger Tür L 
öffnet. 
Nochmals: Kunst und Gesellschaft 7 in dieser Koppelung vermutet man. wenn man Autor und Anlaß l 
eine weltanschauliche Proklamation. Wer sich dieser Erwartung hingibt, verlangt im Hinblick auf Ö: 
das Unmögliche. Warum sollte es in der Kunst anders. nämlich eindeutiger zugehen als in den anderen Be 
des öffentlichen Lebens? Warum sollte es gerade hier klare Fronten und präzise Parteinahmen geber 
der beiden Regierungsparteien hat sich mit der ..modernen Kunst" oder einer ihrer Richtungen ider 
keine hat sich - was niemandem zu verübeln wäre - aus weltanschaulichen Gründen von ihr dis 
beide haben mit ihr ihren Frieden gemacht und wetteifern. nicht selten wahl- und konzeptlos. in ..l 
aktionen". (Wobei man insgeheim. auch darin eines Sinnes. den Ambrosi dem Wotruba verzieht.) 
Wer zu allem sein Plozet gibt. zeigt damit nur. daß ihm letztlich alles gleich gültig. also gleichgültig l 
Untersucht man diese amtliche Billigung der ..modernen Kunst". so entdeckt man an ihr verschiedei 
stärken und Überzeugungsgrade. Das Plazet füllt dort am leichtesten. wo Kunstwerke mit erkennbar: 
inhalten zur Diskussion stehen. Am liebsten verantwortet man Ankäufe und Aufträge, wenn es sich um 
handelt. die sich durch fleißige Pinselakribie empfehlen. Die sogenannte Wiener Schule des phantt 
Realismus ist darum zur vorbehaltlasen Förderung durch die öFlentliche Hand geradezu prädestiniert. 
Von der umstündlich-ausführlichen Feinmalerei fasziniert. befindet sich die sogenannte "Linke" unsere: 
in Gesellschaft der Relikte eines gegenwartstremden Bürgertums. das geistig im dumpfesten Biederm: 
und den Revolutionär Waldmüller mißversteht. indem es sich an seinem lllusionismus begeistert und 
Maßstäbe für die Kunst unserer zweiten Jahrhunderlhülfte entnimmt. 
Der Publikumserfolg, den die Wiener Schule überall dort errungen hat. wo man noch nicht einmal Kl 
Schiele. Gerstl und Kokoschka begriffen hat. mag zur Verharmlosung und ldyllisierung ihrer Werk: 
tragen haben. Dennoch: hier einen ..Zusummenklang von Kunst und Gesellschaft" postulieren. hin 
Künstlern die unverdiente Geistesverwandtschaft mit ihren Bewunderern aufzwingen.
	        

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