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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 12)

entgegen, die in der modernen Cultur, Sprache und dergleichen nur eine Entartung der 
Antike sahen, von der die neue Zeit durch eine tiefe Kluft getrennt sei. Sihelamirtbn, 
dass die Rettung nur in einer Nachahmung der lateinischen Poesie und .Prosa und einem 
Zuruckdrängen der nationalen Sprache und'Empiindung"gefunden werden konnte. Diese 
Geistes- und Geschmacksrichtung, zuerst in der Litteratur herrschend, führte um 1400 
einen ßorentinischen Künstler, Filippo di Ser Brunellesco',i'de'r eine gelehrte Er- 
ziehung genossen hatte, dazu, diese Grundsätze auch auf die Kunst anzuwenden, die 
Ueberreste der antiken Architektur zu studiren und durch ihre Formen die herrschenden 
des gothischeaßtiles, die er als verdorbene betrachtete. mit Bewusstsein zu verdrlngen. 
Beschäftigung mit den mathematischen Schriftstellern der Alten führte ihn auf ein Pro- 
blem, dessen Losung der Antike nicht gelungen war, auf die Linearperspective, deren 
wichtigste Grundsatze er entdeckte. 
Das Charakteristische für die italienische Renaissance ist überhaupt einwissenschaft- 
lieh begründeter Scheinnaturalismus, der durch das Studium der Anatomie vervnllkommt 
wurde. Da seine Absicht nicht die tauschende Nachahmung der äußeren Welt war, 
die in jeder wirklich naturalistisch arbeitenden großen Kunstperiode von Giotto bis zu 
Rembrandt und von Velaaquez bis zu Millais so nachzuahmen gestrebt wird, wie sie 
sich dem Blicke bietet, sondern da immer etwas von den Bedingungen der Erscheinung 
mitgegeben werden sollte, führte das zunlchat dazu, dass da! Einzelne nur Gewusate, nicht 
im bestimmten Falle Gesehene zu stark undvwillkürlich betont wurde, wie z. B._das 
anatomische Detail, die perspectivischen Verkürzungen des Hintergrundes und dergleichen, 
und die Folge musste dort, wo einmal Willkür eingetreten war, bei sorglos arbeitenden 
Künstlern der akademische Stil und die Manier sein. _ . 
Nachdem der Vortragende gezeigt hatte, wie durch die akademische Richtung der 
Renaissance nach und nach in ganz Europa die lebendige und wahrheitsliebende natura- 
listische Richtung der Spatgnthik verdrängt worden war, wies er darauf hin, dastdie Renais- 
sance die in gewissem Sinne nicht anders als wie ein Kunstverderb anzusehen sei, durch ihre 
Verbindung von Künstlern und Gelehrten und deren Zusammenarbeiten demjßufachwuag der 
Naturwissenschaften verarbeitete, der eine wissenschaftliche Zeichenmethode nothwendig 
voraussetzte und dass so die Renaiasancekünatler unbewusst die geistige Befreiung Europas 
vorbereiten halfen. 
Litteratur - Bericht. 
Arti et Industriae. Tijdschrift gewijd aan de bevorderiug detjKunstnijver- 
heid in Nederland. Verschijnt in drie-tnaandelijltsche afleveringen, 
ongeveer 2 vel 4" tekst met 4 platen waarop onderscheidene artistieke 
afbeeldingen. 's-Gravenhage, Mouton 81 Co. 8 il. holl. per Jahrg. 
Einzelne Nummern fl. 2'5o. 
Vor uns liegt der erste Jahrgang dieser Vierteljnhrsschrift, deren lnslebentreten der 
Vorstehung des Vereine: im Hang zu verdanken ist, welcher die, auch der genannten 
Publiution als Titel gegebene Devise zum Numen hat. Zweck und Ziel dieses, einen 
nationnlen Charakter tragenden Vereines ist die Beförderung der Kunst auf dem Gebiete 
den Gewerbes. Unter den mannigfnltigeu prugrammmäßigen Mitteln dieses Ziel zu erreichen 
- Versammlungen, ölfentlichen Vorträgen, Preisaufgaben in- und außerhalb des Vereines, 
Veranxtaltung von Ausstellungen oder Mitwirkung an solchen, Befürderung vnn Museen, 
sowie des Schulwesens, Anlegung einer Sammlung von Büchern, Tafelwerlten und Zeich- 
nungen u. s. w. - erscheint als eines der wichtigsten die Veröffentlichung einschllgiger 
Schriften. Aus Mitgliedern der Vereinsvorstehung ist auch die Redlction zusammen- 
äsetzt und aehen wir an der Spitze H. L. Boersn-ta, den Verfnsser des vortreülichen 
erltes i-Kunstindustrielle Literntuuru. 
Die Zeitschrift enthält wichtige Artikel von allgemeiner Bedeutung, Ausstellungs- 
nachrichten, Besprechungen älterer und neuerer kunstgewerblicher Erzeugnisse, inl- 
besondere solcher, welche durch die ein- oder rnehrflrbigen, auf lithogrnphischem oder 
photomeehanischem Wege hergestellten Tlfeln vorgeführt werden, Litteraturberichte etc., 
wobei nicht unterlassen wird, auch außerhalb der niederllndischen Splxlre vorkommenden 
belnngreiehen Kunsthbungen du vollete Augenmerk zuzuwenden. M-t.
	        

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